Astrologie    

 

Vortrag

Über die Relativität der Astrologie,

oder Astrologie auf sich selbst angewandt

gehalten auf dem Kongress der

Deutschen Astrologen-Union (DAU)

in Esslingen (8-10 Mai 1992).

 

"Relativ" kommt vom lateinischen "re-lativus" und bedeutet "in Beziehung zu et­was stehen". Es weist als Be­griff somit schlechthin über sich selbst hinaus. Der gegen­teilige oder polare Begriff ­auch aus dem Lateinischen ­ist "ab-solut", was "losgelöst" oder "uneingeschränkt", also eigentlich "ohne Bezug" be­deutet.

 

In Diskussionen über Astrologie haben Sie vielleicht schon häufig als abwertendes Urteil gehört, dass Astrologie "relativ" wäre. Das heißt, astrologische Aussagen könne man so oder so auslegen, sie wären nicht objektivierbar, wie z.B. absolute Fakten in den Naturwissenschaften. Diese subjektive Auslegung, die von der Beziehung zum Interpreten abhängt, wird als Mangel und unwissenschaft­lich empfunden. Eine Mei­nung, die in der Neuzeit übri­gens das ganze Gebiet der Geisteswissenschaften - also auch Philosophie, Religion, Geschichte, Recht usw. - mehr oder weniger betrifft. Es han­delt sich dabei um ein allge­meines Bedürfnis nach Abso­lutismus in der öffentlichen Meinung, dessen Entstehen durch die Kulturgeschichte des christlichen Abendlandes mit seinem einzigen Gott und daraus notwendigen Dogmen durchaus gefördert wurde. Die Naturwissenschaften wurden in unserem Kulturraum erfun­den, um letztlich mit ihrer Hilfe ein Paradies auf Erden zu schaffen. Die Spitze der Technikgläubigkeit fällt nicht ohne Grund mit der Blüte der autoritär-faschistisch-­marxistischen Systeme zusammen. Obwohl unsere westliche Zivilisation von der Lebenspraxis her noch nie so Technik bestimmt erschien wie zur Zeit, so sind andererseits die Grenzen dieses Prozesses von der denkenden Elite seit viel längerer Zeit erkannt worden und dringen immer mehr in das Bewusstsein der breiteren Bevölkerungs­schichten.

 

Was den Absolutismus naturwissenschaftlichen Den­kens betrifft, so wurde der interessanterweise gerade mit jener Forschung gebrochen, die die absoluteste technische Macht hervorbrachte, nämlich mit der Kernforschung - von einem polaren Denkansatz her gesehen, verwundert diese Gegensätzlichkeit allerdings kaum. Relativität bedeutet unterschiedliche Standpunkte haben, die Standpunkte wechseln können und damit erkennen, dass das faktische Ergebnis unseres Denkens und Handelns vom eingenomme­nen Standpunkt abhängt. Ge­nau das besagt die 1905-15 von Einstein entwickelte Re­lativitätstheorie. Es wäre aber falsch, simplifiziert zu glau­ben, dass nun alles relativ wäre. Einstein selbst neigte eher dazu, seine Theorie die "Theorie der Unveränderlich­keiten" zu nennen - also polar zu definieren. Die hinter der allgemeinen Relativitätstheo­rie stehende Frage lautet: "Wie kann man ein Objekt beschreiben und die darauf wirkende Schwerkraft, wenn die Energie des Objektes von demjenigen abhängt, der es beobachtet? Werden die Na­turgesetze dann noch für je­den die gleichen sein, unab­hängig von Ort und Bewe­gung?"

 

Letztlich handelt es sich bei der Relativitätstheorie nur um die physikalische Umset­zung von Erfahrungen des praktischen Lebens, wie wir sie z.B. bei der Begegnung zweier Züge erleben, wenn wir nicht mehr in der Lage sind, eindeutig festzustellen, wel­cher Zug nun in welche Richtung fährt, welches der fahrende ist, der, in dem wir selbst sitzen oder der ge­genüber? Wenn alle Beobach­tungspunkte gleichberechtigt sind, wie kann man dann übereinstimmende Aussagen über die Wirklichkeit hinter den äußeren Erscheinungen erhalten? Diese Fragen führ­ten zu einer veränderten, re­lativen Vorstellung von Zeit, nämlich, dass durch massive Körper, also z.B. Planeten, Zeit - und Raum - in ihrer Umgebung verändert werden. Überspitzt formuliert wird Zeit sozusagen zur Pri­vatsache, weil sie von der Umgebung des Beobachters oder Erlebenden abhängt.

 

Für den Astrologen sei daran erinnert, dass die sich im Zuge der Relativitätstheo­rie entwickelnde Kernfor­schung in den 30er Jahren auch mit dem 1930 entdeckten Planeten Pluto zusammen fällt, der bis heute als sozusa­gen letzter Planet unseres Sonnensystems gilt. Das 1941 entdeckte, mehr giftige Metall Plutonium aus der Ele­menten-Reihe der Trans-Urane wurde nach diesem Planeten Pluto benannt und ist wesent­licher Bestandteil der ersten 1945 über Nagasaki abgeworfenen Atombombe und natürlich auch Brennstoff für Kernreaktoren. Wollte man das Wesen der Kernphy­sik beschreiben, so handelt es sich eigentlich um die Ver­wirklichung des alten Alchi­mistentraumes von der Ver­wandlung der Materie und dem Freilegen der Kräfte, die die Welt im Innersten zusam­menhalten. Dass diese befrei­ten "Dämonen" wiederum ge­bändigt werden müssen, ist das Problem unserer Epoche. Es erinnert an Goethes "Zauberlehrling" Astrolo­gisch wurde der Planet Pluto dem Skorpionzeichen zu­geordnet, das mit Tod und Wiedergeburt, also Regenera­tion, zu tun hat, und von 1983-­1995 befindet sich dieser Pla­net im Skorpionzeichen, was diesen Prozess besonders deutlich in Erscheinung treten lässt.

 

Diese Hinweise auf die Relativitätstheorie und ihre Begleiterscheinungen und Folgen sollen uns vorderhand genügen, indem sie Fragen ei­ner bestimmten Zeitepoche charakterisieren, die über eine relativere Vorstellung in den Wissenschaften zur Freiset­zung gewaltiger, ja in gewisser Weise absoluter Kräfte führte. Die Relativierung betrifft auch die Geisteswissenschaf­ten, aber man könnte fast sa­gen, mit ziemlicher Verzöge­rung - und es betrifft auch uns Astrologen. Wir haben nämlich meist noch ein etwas veraltetes Feindbild von na­turwissenschaftlichen Absolutheits- und Objektivi­tätsansprüchen, die zugegebe­nermaßen in den "niederen" Rängen des normalen Wissen­schafts- und Bildungsbetrie­bes immer noch vorherrschen, ganz zu schweigen vom Alltag oder in den konfessionellen Institutionen. Diese Fixierung auf absolute Wahrheit trübt dann oft auch rückwirkend innerhalb der Astrologie den Blick. Aber wir Astrologen sind im Grunde genommen wesentlich weiter, als uns das im Allgemeinen bewusst ist.

 

Das Bedürfnis im Men­schen nach einer absoluten Wahrheit, hinter dem das Streben nach göttlicher All­macht steht, gerät leicht in die Gefahr, die vielfältigen und unterschiedlichen persönli­chen Bedürfnisse, Be­strebungen und Meinungen der einzelnen zu unterdrücken und zu verdrängen. Letztlich ist das aber gar nicht möglich, weil jeder einzelne von uns eben doch ein eigenes, für sich wahrnehmbares Leben führt, eine eigene Zeit- und Raum­-Erfahrung besitzt. Unsere Le­bendigkeit besteht ja vor al­lem in der Erfahrung der Re­lativität, also in der vielfäl­tigsten Beziehungsaufnahme zum uns umgebenden Sein. Der Erfolg der Demokratien gegenüber absoluten Systemen liegt wohl in dieser etwas hö­heren demokratischen Ak­zeptanz von lebensnotwen­diger Relativität. Ohne diese Relativität erstirbt das Leben. Das momentane weltweite Sterben ist der Ausdruck mangelnder Beziehung zum umgebenden Sein. Es ist nicht allein unsere Schuld, sondern die Verabsolutierung men­schlicher Macht durch Gene­rationen, indem der Mensch sich die Welt - in falsch ver­standener Weise - zum Un­tertan macht.

Nun wäre es aber genauso falsch, die Relativität zu überschätzen und das Bedürf­nis im Menschen nach dem Absoluten zu negieren. Als polare, aufeinander bezogene Begriffe gehören beide zu­sammen. Die Problematik steigert sich erst bei dualisti­scher Trennung in Form ein­seitiger Betonung oder Unter­drückung. Da dies immer wie­der geschichtlich in Er­scheinung tritt, könnte man das Duale wohl als eine Art Zeitlupenaufnahme des Polaren betrachten. Ähnlich der Pendelbewegung oder einem Polsprung.

 

Die Astrologie nun ist der geniale Versuch in der Ge­schichte menschlichen Den­kens, Relativität in gewisser Weise zu verabsolutieren. Es ist der Versuch, menschliches Dasein in seiner bewegten Vielfältigkeit an seiner ur­sprünglichsten und absolu­testen Bedingtheit zu messen. Und diese ursprünglichste Bedingtheit ist unser kosmi­sches Umgebensein, wie unser spiritueller Ursprung. Astro­logie ist Gestalt gewordene Polarität. In ihrem Bemühen vereint sich religiöses Erken­nen-Wollen und naturwissen­schaftliche Grund­lagenforschung zu einer Syn­these, die den meisten heute fremd geworden ist, ja sogar suspekt erscheint. Wendet man Astrologie auf sich selbst an, stellt sich dieses Ringen um Synthese in der Polarität Merkur- Neptun oder Jungfrau-Fische dar, wo Ra­tionalität und Irrationalität einander gegenüber gestellt sind.

 

In ihrer Ursprünglichkeit, in dem weiten Aus- und Zurückholen wurzelt auch die nur bedingte Nützlichkeit der Astrologie im praktisch mate­riellen Alltag - also z.B. um damit im heute üblichen Sinn mächtiger, reicher und er­folgreicher zu werden. Nur dort, wo Menschen am tiefsten Beziehung zu anderem Leben erfahren und empfinden, wo sie am wenigsten Macht be­sitzen und am meisten ausge­liefert sind, kommen sie häu­fig auf die Astrologie zurück. Nach meiner Erfahrung sind über 90% astrologischen In­teresses durch schwierige zwischenmenschliche Bezie­hungen, vor allem Liebesbe­ziehungen, bedingt, wobei sich in erster Linie Frauen dafür interessieren. In diesem Zu­sammenhang scheint es sich bei der Benutzung von "relativ" astrologisch also eher um das Venusprinzip zu han­deln als um Merkur, das heißt mehr um unsere Neigungen als um unser Denken. Das würde der Polarität Skor­pion/Stier oder Pluto/Venus entsprechen. Auf die absolu­ten Kräfte bezogen, die die Welt im Innersten zusammen­halten, wären es also unsere Neigungen im weiteren Sinne natürlich auch unsere Denkneigungen die über Liebe und Sexualität in unse­ren Kindern zur Macht kom­men. Wissenschaftlich ausge­drückt ist das der genetische Prozess, esoterisch die so genannte Reinkarnation, die ja nichts anderes als Wiederfleischwerdung seeli­scher Prozesse bedeutet.

 

Wenn Astrologie ein pola­res Bezugssystem schlechthin ist, dann verwundert es auch nicht, dass es bei zwischenmenschlichen Bezie­hungen am ehesten greift, wo­bei dieser Begriff sehr weit gefasst sein kann und auch die Beziehung von Einzelpersonen zu Kollektiven und umgekehrt betrifft. Ein Beispiel hierfür sind die Geburtsbilder von Bundeskanzler Kohl und der Bundesrepublik, die ganz ex­treme Übereinstimmungen aufweisen oder anders ausgedrückt - eine intensive Beziehung zueinander abbil­den - wen wundert es!

 

Beziehungen stellen also Verbindungen zwischen vor­her "scheinbar Unverbun­denem" her. Denkend und fühlend stehen wir in perma­nenter, sich dauernd verän­dernder Beziehung zu unserer Umwelt. Alles kann mit allem in Beziehung gesetzt werden ­und Astrologen sagt man gern einen so genannten Bezie­hungswahn nach - es sollte uns nicht stören. Wer Bezüge nicht zu denken wagt, wird auch keine entdecken. Wer nicht in eine bestimmte Rich­tung schaut, wird dort auch nichts erkennen. Womit wir gleich beim Kern des Themas wären, nämlich bei der Tat­sache, dass es bei der Bezie­hungsaufnahme auf den Standpunkt ankommt, sehr anschaulich erfahrbar eben beim Sehen. Aber es gilt in gleicher Weise für jede Be­zugsaufnahme, für das Den­ken ebenso wie für das Füh­len. Man könnte schlechthin von der Neigung des einzel­nen zu bestimmten Stand­punkten sprechen.

 

Da nun jeder von uns ein eigener Ausgangspunkt ist, seine eigene Neigung, seinen eigenen Standpunkt, seinen eigenen Beginn in Zeit und Raum hat, wird das eine höchst relative, bezügliche und somit unterschiedliche Angelegenheit. Kommunika­tion besteht eigentlich im Standpunktaustausch oder in der Mitteilung der unter­schiedlichen Standpunkte. So braucht es nicht zu verwun­dern, dass das Organ der Deutschen Astrologen-Union "Astrologie-Standpunkt" heißt, sich eben auch der Relativität von Standpunkten bewusst ist, indem es anderen Standpunk­ten gegenüber offen ist.

 

Kommunikation ist ein ständiges Tönen von "ich stehe hier - sehe das - und sehe es so". Zumindest zur selben Zeit erwarten wir von anderen oft ähnliche Sichtergebnisse. Manche würden gern ihrer Umgebung Augenbinden anlegen, um ihren Standpunkt so allgemeingültiger, also mächtiger und absoluter zu machen, was ja auch manchmal gelingt. Es passiert ja schon in dem Augenblick, wo mehrere, statt selber zu schauen, vorübergehend auf einen sehen, der schaut - oder redet - erzählt, was er sieht. Wir machen das auch aus gutem Grund, weil eben jeder nicht zur gleichen Zeit das Gleiche sehen kann.

 

Über das eigene Leben in seiner zeitlichen und räumli­chen Bewegung erfahren wir bald die Relativität der eige­nen, früher einmal eingenom­menen Standpunkte und Beziehungen. Das Leben ist eine Wanderung, bei der in ununterbrochener Folge neue Landschaften vor uns erstehen und hinter uns versinken, Menschen uns begleiten und sich trennen. Unser Denken ist das Wandern des Geistes. Die Astrologie sieht da ja auch keinen Unterschied zwischen Denken und Wandern - Mer­kur steht für beides. Am Rande sei darauf verwiesen, dass das Wort "Planet" vom griechischen Wort "Wanderer" kommt.

 

Die Astrologie nun bean­sprucht für sich, den Stand­punkt sowie Standpunktverla­gerungen jedes einzelnen Menschen feststellen zu kön­nen. Diese Standortbestim­mung ist ja nichts anderes als Weg und Neigung des einzel­nen, also nur ein anderer Ausdruck für Charakter und Schicksal. Da unsere Stand­punkte, unsere Ausgangs­punkte in Zeit und Raum aber so unterschiedlich sind, müs­sen sie sozusagen am größten gemeinsamen Nenner vergli­chen werden, um wenigstens eine gewisse Objektivität oder Absolutheit zu gewährleisten. Dieser größte gemeinsame Nenner ist unsere irdisch-kos­mische Bedingtheit. Das ist die Erde auf und in der wir alle leben. Ihr Sich drehen im Raum, ihr Hell- und Dunkel­werden, ihre Kühle und Wärme, ihr Atem und ihr Stocken, ihr Spiel mit Mond, Planeten und Sternen schafft die Zeit, unsere Zeit, unser subjektives Erleben.

 

Und hier berühren wir wieder die vorher erwähnte Relativität von Zeit und Raum. Der Kernphysiker und Philosoph Werner Heisenberg formulierte das für die Teilchenphysik in seiner so ge­nannten Unschärferelation, in der das Ergebnis eines Ver­suches oder einer Be­obachtung vom Standpunkt des Betrachters abhängig ist und Ort und Impuls oder Zeit und Energie als komplemen­täre Größen zu betrachten sind. Solche Größen lassen sich nur bis zu einer be­stimmten Genauigkeit messen, denn jede Messung einer der beiden bewirkt eine Verän­derung des Gesamtzustandes. Das ist eine Tatsache, die wir bei der Beurteilung men­schlicher Wirklichkeit - auch in den Geisteswissenschaften bis heute - noch viel zu wenig beachten. Aus der astrologi­schen Erfahrung könnten wir noch hinzufügen, dass die Wahl unseres Standpunktes von unserer Zu-Neigung ab­hängt. Die so genannte Objek­tivität ist also eine höchst re­lative Angelegenheit.

 

Wen wundert es, dass die Bedeutung des größten ge­meinsam zu denkenden abso­luten Nenners - also unseres Sonnensystems - für das ei­gene reale, eigentlich kleine, aber für jeden von uns so wichtige, und bis zu einem be­stimmten Grad selbständige Leben, unbedeutend erscheint - ähnlich unbedeutend wie die praktische Anwendung der Relativitätstheorie im Alltag. Vielleicht sollten wir Astrolo­gen versuchen, diesem Be­dürfnis der Menschen - uns also nicht ausgenommen ­nach eigener selbständiger Bedeutung und Verantwort­lichkeit mehr Rechnung zu tragen. Vielleicht fiele uns das Interesse eher zu. Eine östli­che Weisheit besagt, der si­cherste Weg, um irgendwohin zu kommen, wäre, in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Die christliche Reli­gion mit ihrer Weltentsagung hat uns sicher in den Materialismus und die Naturwissenschaften geführt. Von hier werden wir auch si­cher wieder in eine Religion finden. Es ist das das Gesetz der Polaritäten. Astrologisch betrachtet, in diesem Falle die schon erwähnte Polarität Fische-Jungfrau.

 

Natürlich erfordert dieser entgegengesetzte Weg Zeit, etwas, das uns heute nicht gerade liegt. Man denke an den populären Spruch "Zeit ist Geld". Es schließt sich der Gedanke an: ist Zeit "Nicht-­Leben"? Gerade für uns Astrologen hat Zeit sehr viel mit Leben und Le­benserfahrung zu tun. Wir be­obachten ja das Leben an hand der großen kosmischen Uhren. Nehmen wir allerdings unsere astrologische Symbolsprache zur Hilfe, dann entdecken wir die verschlüsselte Bedeutung dieses Spruches. Für Geld steht nämlich in der neuklassischen Astrologie symbolisch der Planet Pluto, aber ebenso für Tod, also "Nicht-Leben". Die gemeinsame Symbolik liegt im Begriff "Wandlungs- ­oder Verwandlungsmacht". Beide, Tod und Geld, sind ein kollektiver Umwälzungs-,­ Verwandlungs-Prozess. Für Zeit steht der Planet Saturn, gleichzeitig aber auch für Wirklichkeit, Verwirklichung, Materie und objektive Erfah­rung. "Zeit ist Geld" heißt in die kosmische Ursprache im positiven Sinne übersetzt ei­gentlich "Erfahrung ist Ver­wandlung", im negativen Sinne "Materie ist Tod". Eine Zeit mit dem Wahlspruch "Zeit ist Geld" beinhaltet somit auch die Gefahr, eine "Tote Zeit" zu werden, wenn ihr keine Ver­wandlung erstarrter Formen, oder keine Bändigung über­mächtiger kollektiver Kräfte gelingt - jener Kräfte, die die Welt im Innersten zusammen­halten.

 

Hier haben Sie sofort ein praktisches Beispiel von abso­luter und relativer Bedeutung in der Astrologie. Die absolute Definition heißt nur: letzter sichtbarer und langsamster Planet Saturn ins Verhältnis gesetzt zum letzten berechen­baren Planeten, fast schon jenseits unseres Sonnensy­stems, Pluto. Die Umsetzung in menschliche Sprache, Er­fahrungen und Fakten schafft aber sofort eine Fülle von Möglichkeiten. Diese hängen von unserem eigenen Weg und Standpunkt ab. Für Astrolo­gie- Laien: Die klassische Astrologie hatte nur 7 Be­griffe oder Symbole, ent­sprechend der Sonne, dem Mond und den 5 sichtbaren Wandelsternen. Stellen Sie sich dazu eine Sprache mit nur 7 Grundbegriffen vor. Die Neu-Klassik erweiterte die Symbole schon um 3 zusätzli­che Planeten, die nur mehr über Fernrohr erkennbar sind. Die Hamburger- Astrologie-­Schule hat insgesamt schon 18 Symbole.

 

Dadurch, dass die Astrolo­gie einen so weit entfernten Vergleichs- und Ausgangs­punkt außerhalb unserer bewussten Alltagsexistenz nimmt, besitzt sie den höchsten Grad an Allgemeingültigkeit, der vorstellbar ist - was Sie sicher aus dem gerade erwähnten Beispiel erkennen können. So etwas ist eben nicht gleich nützlich und profitabel im Alltag umzusetzen. Es hat eher etwas mit phi­losophischen Grundbegriffen zu tun. Philosophie heißt auf griechisch ja Liebe zur Weisheit, und meint damit das Bemühen um Verständnis von Struktur und Sinn des Daseins. Astrologische Aussagen be­kommen infolge ihrer Allge­meingültigkeit praktisch erst Sinn, wenn sie auf reale Vor­gänge bezogen und übersetzt werden. Dadurch werden sie aber relativ und abhängig von den Umständen und vom In­terpreten. Das erklärt auch, warum  so genannte  Computer­analysen so wenig in der Lage sind, auf persönliche Pro­bleme einzugehen. Der Nutzen der Astrologie liegt nicht so sehr in der Ableitung von tatsächlichen Fakten, sondern im Aufzeigen seelisch-geisti­ger Strukturen, die der Welt zu Grunde liegen, und an denen jeder von uns in einer bestimmten Weise teil hat.

 

Ganz banal ausgedrückt: nicht jeder Astrologe interpretiert ein Geburtsbild gleich. Er kann ja nicht anders als von seinem eigenen Stand­punkt aus sehen. So kann in machen Fällen die Interpreta­tion mehr über den Astrolo­gen selbst, als über den Kli­enten, geschweige denn über die so genannte objektive Wirklichkeit aussagen. In der Psychologie nennt man so et­was Projektion. Oft setzen sich Astrologen unter Druck, den Nutzen ihres Faches z.B. durch faktische Vorhersagen beweisen, ja erzwingen zu wollen. Gerade bei der Pro­gnose passieren dann Pannen am ehesten, indem die eigenen Projektionen zu stark in den Vordergrund treten und zu Fehlprognosen führen.

 

Mit dieser Relativierung des Astrologen selbst soll keineswegs der Sinn astrolo­gischer Beratung in Frage ge­stellt werden, nur deren messbare Objektivität. Wir müssen uns bei einer Beratung eigent­lich nur der Relativität un­seres eigenen und des Klien­ten Standpunktes bewusst blei­ben, und obendrein der Relati­vität unseres Hilfsmittels, unserer kosmischen Brille. Damit meine ich, dass es ja nicht nur eine astrologische Schule oder Richtung gibt. Für mich wurde es in letzter Zeit fast interessanter, die Beziehungsdynamik zwischen Klient und Astrologen zu be­obachten als die objektive In­terpretation. Liegt nämlich bei beiden ein ähnlicher Stand­punkt, eine gegenseitige Ge­neigtheit vor, dann erst wird die Beratung auch als sinnvoll und objektiv angenommen, obwohl es sich ja dabei ei­gentlich nur um eine Art Spiegel handelt. Für Astrolo­gie- Neulinge: Ähnliche Standpunkte stellen sich astrologisch als gleiche Pla­netenstellungen dar. Das We­sentliche scheint mir also, dass die Astrologie etwas über Be­ziehungen und deren Ent­wicklung, also über Relativität schlechthin aussagt. Auf Eng­lisch heißt ja "relative" Ver­wandte. Astrologie sagt in diesem Sinne am meisten über Ähnlichkeiten, seelische Ver­wandtschaften, Neigungen aus. Sie ist eigentlich nicht weit von der Vorstellung vieler Naturvölker entfernt, die neben der leiblichen Ver­wandtschaft noch eine Zuge­hörigkeit zu einem bestimmten Totem kennen. In­teressanterweise werden ja auch diese Totems nach Tie­ren charakterisiert, ähnlich den Tierkreiszeichen in der Astro­logie. Es ist sogar denkbar, dass hier ein gleicher, wenn auch verschütteter Ursprung vorliegt. Was mir also astrolo­gisch messbar erscheint, ist vor allem unser Beziehungs-Geflecht zueinander.

 

Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen, han­delt es sich bei der Astrologie mehr um eine Art Grundla­genforschung - ähnlich der Phänomenologie - nach Hegel die Erscheinung der Vernunft in den Dingen, bzw. die Ent­wicklung des Bewusstseins zum absoluten Wissen. Gerade in diesem Zusammenhang glaube ich, dass wir Astrologen häufig über das Ziel hinausschießen, wenn wir den Leuten die Astrologie zu sehr als vorder­gründige, faktische und nütz­liche Sache verkaufen wollen. Der Nutzen liegt mehr im Hintergrund. Existentiell ist die Angelegenheit für uns Astrologen natürlich insofern schwierig, da so etwas wie Grundlagenforschung norma­lerweise aus öffentlichen Geldern bezahlt wird - den­ken Sie z.B. an das Max ­Planck- Institut - aber für Astrologie ist eben noch zu wenig ernsthaftes öffentliches Interesse da.

 

Dieser nicht sofort einsichtige und relative Gebrauchswert bildet für die Astrologie auch eine Art Schutz. Wenn wir nicht als Geheimbund existieren wol­len, müssen wir natürlich ir­gendwie - wie hier auf diesem Kongress - uns der Öf­fentlichkeit stellen. Aber manches Versagen, ja man­cher Schwindel in der Astro­logie, kann dann dieses Er­zwingen-Wollen eines sicht­baren, nützlichen Erfolges zur Ursache haben. Astrologisch gesprochen handelt es sich wieder um die Polarität von rational und irrational, ausge­drückt durch Merkur-Neptun oder Jungfrau-Fische, sowie durch Merkur-Jupiter, was den Zeichen Zwilling­-Schütze entspricht, wobei die entgleiste Form des Neptun eben der Irrtum oder Schwin­del ist, die entgleiste Form des Merkur aber den Glauben an die Rationalisierbarkeit der Welt oder ihre Benutzbarkeit überschätzt.

 

Um diesen Aspekt der Astrologie besser verstehen zu können, ist ein Blick in die Antike hilfreich, aus der die Astrologie, zumindest so wie wir sie heute kennen, stammt. In der Antike war die Nutz­barmachung einer Idee höchst zweitrangig, ja im Kreise der hohen Denker hatte es sogar etwas leicht Anrüchiges. So als würden die reinen Ideen durch ihre Verwirklichung beschmutzt. Der griechische Mathematiker und Physiker Archimedes aus dem 3. Jahr­hundert v. Chr., der von uns heute besonders wegen der Umsetzung seiner Ideen in brauchbare Konstruktionen geehrt wird Flaschenzug, Wurfmaschinen und Bewässe­rungsanlagen gehen auf ihn zurück - wurde von seinen damaligen Kollegen gerade darum eher belächelt. Ganz in gegenteiliger Weise - den rei­nen Ideen ergeben - wirkten Platon und sein Schüler Ari­stoteles. Man kann sagen, fast ein Jahrtausend lang bis zum schon christlich anmutenden Philosophen Plotin 500 n. Chr., beherrschten deren Lehren das Altertum. Der so genannte Neu-Platonismus lebte in der europäischen Kulturge­schichte immer wieder be­fruchtend auf. Das letzte Mal im deutschen Idealismus und heute wieder, z.B. in den Ideen des umstrittenen Biolo­gen Rupert Sheldrake.

 

Die ursprünglich aus dem Orient stammende, nach Grie­chenland und in das antike römische Reich importierte Astrologie fand durch die pla­tonische Lehre ihre geistige Ergänzung und Stütze. Platons Ideenlehre besagt im wesent­lichen, dass das wahre und un­veränderliche, also absolute Sein nicht in den Dingen, son­dern allein nur in den Urbil­dern, also den Ideen der Dinge läge, diese aber seien nur dem Denken zugänglich. Die Seele ist nach Platon unsterblich und hat eine ursprüngliche Liebe zu den Ideen und eine vorgeburtliche Erinnerung daran. Einen Zwischenbereich zwischen Ideen- und Sinnen­welt sah Platon in den Zahlen und geometrischen Körpern. Wer sich intensiver mit dem Symbolcharakter der Astrolo­gie oder mit Reinkarnations-Vorstellungen beschäftigt hat, wird hier nicht unschwer eine ihrer gei­stigen Wurzeln erkennen. Auch die Vorstellung einer drei geteilten körperlich-gei­stig-seelischen Welt hat hier einen Ursprung. Bis heute ist es sinnvoll, besonders für die Astrologie, diese Vorstellung als Arbeitshypothese zu ver­wenden. Nur der seelische Be­reich ist astrologisch erfassbar, der Körper gehorcht den Na­turgesetzen, der Geist ist übergeordneten spirituellen Ursprungs und am wenigsten erfassbar. Alle 3 Ebenen wir­ken aufeinander und durch­dringen sich.

 

Zur antik-hellenistischen Geisteswelt gehört auch noch die Vorstellung des Schönen an sich, des geordneten harmonischen Kosmos und des Logos gegenüber dem Chaos. Kosmos heißt ja auf Grie­chisch Ordnung. In der Astrologie findet dieses Be­dürfnis des antiken Menschen nach einer harmonischen schönen Ordnung seinen ge­nialen Ausdruck. Im Vorder­grund dabei steht die schöne Idee und nicht die praktische Nutzung. Diese Be­wusstseins-Form ist für uns heute sehr unverständlich, aber gerade wir Astrologen sollten uns über diesen geisti­gen Ursprung klarer sein, um unsere gegenwärtigen gesell­schaftlichen Schwierigkeiten besser zu begreifen. Schnell warf übrigens die populäre Anwendung und praktische Umsetzung der Astrologie bei den sehr nützlich veranlagten Spätrömern ähnliche Probleme auf wie heute.

 

Astrologie als Idee, als Bezugssystem steht immer auch in Relation zu den vorherrschenden Ideen einer Gemeinschaft. Nachdem die Astrologie sich ja auf das Ab­soluteste unseres Daseins, die kosmischen Bedingungen, be­zieht, hat sie auch für diese epochalen Vorlieben der Menschheit absolute kos­mische Maßstäbe entwickelt. In diesem Fall durch die Wanderung des Frühlings­punktes durch den Tierkreis. Im praktischen Leben spüren wir Astrologen, wie gut oder schlecht unsere Beziehungen zur Zeitepoche stehen, wobei bei jedem einzelnen von uns noch seine persönliche Be­zugsform hinzukommt. Hier sind wir nun bereits mitten im 2. Thema: Astrologie auf sich selbst angewandt.

 

Die Astrologie geht davon aus, dass das erste Erscheinen von Wesen oder Erkenntnis­sen etwas über diese selbst und ihre Entwicklung aussagt. Bei der Astrologie als kollek­tiver Erkenntnis können wir also vereinfacht von jener Epoche ausgehen, in der sie im Wesentlichen ihre heutige Form fand - für uns gesehen, in Erscheinung trat. Das sind, wie ich bereits skizzierte, die ersten vorchristlichen Jahr­hunderte; astrologisch ge­sprochen das ausgehende Widder-Zeitalter, als der Früh­lingspunkt vom Sternbild des Widders in die Fische wech­selte.

 

In jedem Zeitalter treten durch die Wanderung des Frühlingspunktes durch den Tierkreis bestimmte geistige Polaritäten ca. 2150 Jahre lang in den Vordergrund. So lange benötigt der Welthorizont, um ca. ein Zwölftel des Tierkrei­ses und der dahinter liegenden Sternbilder zu durchqueren. Im Widderzeitalter war es die Polarität Widder-Waage oder Mars-Venus, was mit der Zeugung einer schönen Idee gleichgesetzt werden kann.

 

Im Fische-Zeitalter - an dessen letztem Röcheln wir gerade teilnehmen - ist es die Polarität Fische-Jungfrau oder Neptun-Merkur, was den praktischen Nutzen und das Ergebnis einer großen Hoff­nung oder Illusion gegen­überstellt. Damit sind in erster Linie 2000 Jahre christliche Gesinnung gemeint, aber zum Teil auch das kommunistische Experiment, das allerdings schon in die Wasser­mannproblematik hinüber­reicht. Für die Astrologie stellt sich genauso die Frage, was der Glaube an diese schöne Idee nun als prakti­sches Ergebnis hervorgebracht hat.

 

Das Wassermann-Zeitalter, dessen Beginn sich schon während der französischen Revolution angekündigt hat, wird eben dieses Problem der Gleichheit, Freiheit, Brüder­lichkeit beinhalten. Das heißt: den Kampf, die Auseinander­setzung der Einzelwesen um Selbstverwirklichung und Selbsterkenntnis. Anders aus­gedrückt: wie viel Staat, Obrig­keit und Gleichheit braucht der einzelne für eine gleichberechtigte Selbstver­wirklichung, ja was ist über­haupt unsere Individualität? Damit ist das Thema unserer genetischen Einmaligkeit an­gesprochen. Für die Astrolo­gie bedeutet es im weiteren Sinn: wieweit erfasst diese Idee einer Typologie überhaupt von dem, was wir Individuum nen­nen? Wieweit ist sie für Krea­tivität und Selbstverwirk­lichung fördernd oder in wie­weit nicht ein neues Machtin­strument zur Behinderung menschlicher Freiheit?

 

Im Wassermannzeitalter wird der einzelne versuchen, sich dieser Typologie zu be­mächtigen, um sein eigenes System zu schaffen, indem er von seinem eigenen Stand­punkt, seinen Neigungen aus­geht. Vom typologisch allgemeingültigen Standpunkt aus hieße das in letzter Kon­sequenz, die Astrologie ad absurdum zu führen. Vom Individuum her gesehen ist es aber nur der Erkenntnisprozess seiner Besonderheit, Einmaligkeit, Freiheit und Unabhängigkeit, dass es da oben am Firmament für jeden von uns einen Stern, nur für ihn allein, gibt.

 

Seit Beginn des Wasser­mannzeitalters wurden bereits 3 neue, nur mit technischen Hilfsmitteln sichtbare Planeten in die klassische Astrologie eingeführt und bereiteten der ursprünglich so harmonisch geordneten Idee ziemlich holprige Ausnahmen. Es ent­stand eine Art erweiterte oder Neu-Klassik. Zurzeit drän­gen die Planetoiden immer mehr in die Deutung. Die Hamburger Schule hat 8 zu­sätzliche Positionen in die Deutung eingeführt, die nur mehr intuitiv, aber nicht mehr astronomisch zu bestätigen sind. Im englischen Sprach­raum wird diese Astrologie­richtung auch "uranisch" ge­nannt. Der Planet Uranus steht ja symbolisch schlechthin für das Wasser­mannzeitalter, Individualität und Ausnahme. Die Deutsche­ Astrologen-Union (DAU) schenkt ne­ben der klassischen Richtung gerade auch dieser neuen Richtung ihre Aufmerksam­keit. In der Kunst, die ja schon immer Vorreiter gesellschaftlicher Entwicklun­gen war, hat sich das, was man "Früher Stil" nannte, schon lange zugunsten eines Indivi­dualismus aufgelöst. Der mo­derne Stil heißt schlechthin Individualismus und ist nur ­mehr durch Beschreibung der einzelnen Künstlerpersönlich­keiten erfassbar - das Typische verschwindet zugunsten des Einmaligen.

 

Vielleicht, meine Damen und Herren, schwirrt Ihnen jetzt der Kopf vor lauter Relativitäten und besonders jene, die noch wenig Ahnung von Astrologie haben, fragen sich: Was kann man nun wirk­lich anfangen mit dem Gan­zen, wo trägt es denn, wo ist es denn nun objektiv? In echt uraniascher Weise kann ich Ih­nen darauf nur mit meinem eigenen Weg antworten.

 

Ich liebe auf eine gewisse Weise die Beschränkung und Einfachheit - das ist übrigens nicht uranisch - astrologisch gesprochen - sondern satur­nisch. Im Laufe der Jahre habe ich eigentlich fast immer mehr wegfallen lassen von den wirklich verwirrend vielen Möglichkeiten, welche die Astrologie heute bietet. Ich betrachte das wenige, das ich verwende, als geschliffenes Forschungsinstrument, das aber seine Grenzen hat. Mir ist es nicht wichtig, möglichst alles durch Astrologie zu de­finieren, sondern ich bin daran interessiert, die Gren­zen dessen zu erkennen, was ich anwende - also sozusagen die Grenzen meines eigenen Standpunktes. Ich bin von dem wenigen, was ich damit fest­stelle, fasziniert: das sind vor allem seelische Rhyth­men. So sind zum Beispiel Ab- ­und Zunahme von Aggression, Hoffnung, Depression und Zuneigung feststellbar, und vor allem Beziehungs­aufnahme und -form zwischen Menschen, besonders auch in der Familie. Sehr wenig dagegen halte ich von konkreten faktischen Pro­gnosen. Höchst individuelle und unüberschaubare Beziehungs-Verflechtungen bestimmen das, was wir dann faktische Wirklichkeit nennen. Am ehesten wird dieser Sach­lage heute noch die so ge­nannte Chaosforschung ge­recht. Die Wirklichkeit wäre wohl nur berechen- und be­herrschbar, wenn wir alles mit allem jemals Gewesenen und Seienden verglichen und ver­stünden - ein utopischer und blasphemischer Gedanke.

 

Als selbst angewandte Le­benshilfe halte ich Astrologie nur für bereits ziemlich selb­ständige Menschen für sinn­voll. Irgendeine Art von Ausbildung - und wenn es nur die eigene intensive Beschäftigung mit dem Thema ist - ist aber Voraussetzung dafür. Psychologen, Ärzte und Heilpraktiker sollten sich meiner Ansicht nach we­sentlich mehr als bisher mit der Astrologie anfreunden, wie umgekehrt psychologi­sches Wissen für Astrologen hilfreich sein könnte. Am interessantesten finde ich den bio-psychologischen Aspekt der Astrologie als übergeord­nete Koordination für das gesamte Leben auf der Erde. Das berührt durchaus solche Themen wie Reinkarnation, aber nicht im Sinne persönli­cher Wiedergeburt, sondern als rhythmische Verkörperung seelischer Erscheinungen, ­wenn Sie so wollen, als Aus­druck einer Weltseele oder ei­nes Weltbewusstseins, dem wir alle angehören. Erde und Sonnensystem sind keine toten Körper, sondern unsere urei­gensten Organe - Nabelschnur unseres Daseins. ­

 

im Mai 1992 (u. Sept. 2004)

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