Astrologie ▼
Vortrag
Kritische Anmerkungen
zu einer modernen Astrologie
zwischen Esoterik und Wissenschaft
gehalten in der Buchhandlung Horizonte
in Passau am 11.6.1987
Annäherung an die Astrologie aus einer bestimmten Neigung, aus Sehnsucht nach kosmischer Geborgenheit heraus. Vieles in unserem Leben hat Gründe, die rational nicht voll einsichtig sind. Hierher gehört wohl ein Großteil unserer Neigungen. Diese Neigungen nun führen zu Spekulationen, die aber schließlich Ausgangspunkt für Theorien und dadurch wissenschaftlich untersuchbar werden. Die Kritik dagegen fußt auf der gegenteiligen Betrachtung, dem bereits rational Zugänglichen. Das heißt für die Astrologie das Fehlen wissenschaftlicher Überprüfungen und die Schwierigkeiten bei solchen Untersuchungen, so dass letztlich vieles im spekulativ Philosophischen bleiben muss! Hinzu kommt natürlich mein ganz persönlicher Standpunkt - aus einer sehr intensiven zwölf jährigen Beschäftigung mit der Astrologie (heute, 2005 sind es schon 30 Jahre geworden). Wobei ich nicht vorgeben möchte, zu einer abschließenden Meinung über dieses Thema gekommen zu sein, denn zum großen Teil geht es in der Astrologie gar nicht so sehr um das theoretische Wissen, sondern um das Wieder-Auffinden der theoretischen Behauptungen im persönlichen Erleben. Dieses Erleben erfordert ein viel langwierigeres Hineinhorchen in das eigene Innere, unsere Empfindungen, und das ist unweigerlich an die eigene Lebenszeit, ihren eigenen Rhythmus und Raum gebunden. Da kann nichts vorweggenommen werden, und manche theoretische astrologische Behauptung kann gar nie selbst im eigenen Leben erlebt und daher nachvollzogen werden. Es bleibt dann bei der Übernahme von Behauptungen aus x-ter Hand, Überlieferungen, Glaubensdogmen, ohne Bestätigung aus der eigenen Lebenserfahrung. So setzt das persönliche Leben in seiner Begrenztheit auch die Erfahrensgrenzen, und es ist nicht verwunderlich, dass das astrologische Wissensgut sich über Generationen hin angesammelt hat. Da gibt es keinen Erfinder der Astrologie. Es ist ein kollektives Wissen, welches in seinem Ursprung in die Anfänge de r Menschheit, ins Unbewusste zu rückreicht. In der sibirischen Steppe wurde ein 35 000 Jahre alter Schildkrötenpanzer gefunden, welcher den damaligen Sternenhimmel abbildet. Wenn wir für unseren geschichtlichen Raum die Anfänge der Astrologie nach Babylon verlegen, ist das sicher eine Vereinfachung und Verkürzung der tatsächlichen Entwicklung.
Was ist nun die Astrologie überhaupt? Für die meisten Menschen heute ist es eine Art Charakterkunde und Wahrsagerei, welche aus der Stellung der Sterne abgeleitet wird. In gewisser Form und zum Teil stimmt das auch, wenn wir genau ergründen, was unter dieser speziellen Form des Wahrsagens und der Charakterbeschreibung verstanden wird. Nun ist es ja so, dass sich die Mehrzahl der Menschen diese Mühe eines tieferen Ergründens nicht macht, sich mit einem Schlagwort begnügt und möglichst abgekürzte Verfahren bevorzugt, und daraus sind dann die heute weit verbreiteten Zeitungshoroskope entstanden, die die Astrologie auf zwölf unterschiedliche Zeitabschnitte der jährlichen Sonnenbahn reduzieren. Das sind dann die so genannten Tierkreiszeichen, von denen ja die meisten Menschen heute ihr Zeichen kennen. Nun kann man nicht sagen, dass diese Zwölfertypologie, wenn sie ernst betrieben wird, grundsätzlich falsch wäre. Nur ist das eben heute für den individualisierten Menschen eine zu grobe Vereinfachung und entspricht nicht den tatsächlichen Möglichkeiten und Feinheiten der Astrologie, so dass das Ergebnis schließlich falsch wird, indem es eben zu allgemein, zu nichts sagend ist.
Man könnte das damit vergleichen, wollte man den Portier eines Krankenhauses mit einer Operation beauftragen. Das würde sicher zu einem Misserfolg führen. Allerdings würden wir über den Portier wahrscheinlich tatsächlich verschiedene richtige Informationen erfragen, zum Beispiel über die Lage des Operationssaales, Dienst habende Ärzte und Schwestern, was uns dem eigentlichen Ziel schon näher bringen könnte. Schon in der gerade gemachten Formulierung "mit der Operation beauftragen" sehen wir ein Missverständnis seinen Lauf nehmen, indem wir nicht richtig klären, wie weit der Auftrag geht, welche Bereiche er erfasst, wo er endet. So gesehen und richtig in die Gesamtsituation eingeordnet, kann der Portier für die Operation genauso hilfreich sein wie das so genannte Sonnen- oder Tierkreiszeichen in der Charakterbeschreibung. Das Tierkreiszeichen führt uns zum Wesenskern des Menschen, wie der Portier uns zum Dienst habenden und der Krankheit entsprechenden Chirurgen führen kann, ohne dass damit schon genaueres über den Chirurgen selbst und die Operationsumstände im besonderen ausgesagt ist.
Grundlage astrologischer Aussagen ist die so genannte Horoskopzeichnung. Das Wort Horoskop kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Stundenschau. Damit ist das Abbild unseres Sonnensystems im Augenblick der Geburt und in Beziehung zum Geburtsort gemeint. Die Schwierigkeit bei der Beurteilung eines solchen Horoskops ist, dass uns mit der Astrologie ein System der Charakter-Beschreibung und -Entfaltung überliefert wurde, welches wir rational kaum nachvollziehen können. Wir haben es nicht erfunden, noch sind uns die Teil- und Grunderkenntnisse bekannt, die zu diesen Zusammenhängen und Regeln geführt haben. Neben der prinzipiell geringen Selbsterkenntnis des Menschen macht uns das heute umso misstrauischer, da die Neuzeit kaum entsprechende Systeme der Charakter-Beschreibung und Persönlichkeits-Entwicklung geschaffen hat, mit denen wir das überlieferte System vergleichend überprüfen könnten. Natürlich eignete sich die Psychologie dazu. Aber gerade im Vergleich mit der Psychologie wird der Unterschied zwischen beiden Systemen deutlich, und wir beginnen, das umfassende Bestreben der Astrologie zu begreifen, welches die Seele der Welt an sich zu beschreiben versucht, was weit über und vor die Psychologie greift und gleichzeitig die Aussagen der Astrologie undifferenzierter, allgemeingültiger macht. Es wird deut1 ich, dass die Astrologie kein psychologisches System im engeren Sinn ist, sondern dass sie von der Psychologie nur benutzt werden kann, wie zum Beispiel auch von anderen Wissenschaften wie der Biologie, Geologie, der Medizin, einer Ökologie oder eben sonstigen Wissenschaften. Insofern ist es also falsch zu behaupten, die Astrologie wäre eine spezielle Art der Psychologie, sondern man muss eher davon ausgehen, dass die Psychologie ein Kind der Esoterik allgemein ist, zu der auch die Astrologie zählt. Solche Formulierungen führen natürlich schnell zu Rangordnungsstreitigkeiten, aber es ist zumindest bedenkenswert, dass zwei der wichtigsten Begründer der Psychologie sich sehr intensiv mit Esoterik beschäftigten: Carl Gustav Jung mit Alchimie, welche eine Spezialanwendung der Astrologie darstellt, und Freud mit der Kabbala und ihrer Numerologie, die der Astrologie sehr nahe steht, möglicherweise sogar aus der jüdischen Auseinandersetzung mit der babylonisch-arabischen Astrologie entstanden ist - wenn auch wesentlich später (1200 n. Chr.) ~ Es mag weiter zu denken geben, dass sich Naturwissenschaftler wie Newton und Einstein mit Astrologie beschäftigten. Da die Astrologie nun allgemeingültiger als die Psychologie ist, kann sie auch nach Freud, Adler, Jung, Frankl, Maslow, Rogers oder auch nach Belieben nach Meyer, Huber oder Müller interpretiert werden. Das mag man nach seiner persönlichen Neigung halten, wie man sich seinen Arzt aussucht.
Es zeigt sich, dass die Astrologie in heutiger Sicht als eine Art Synthese menschlicher Gedanken über sich, die Welt und die Stellung dieser Welt im Kosmos erscheint. Kosmos bedeutet auf Griechisch Ordnung. Die Astrologie zeigt also letztlich ein Ordnungsgefüge auf, aus dem heraus der Mensch entstanden ist und in das er immer wieder - wie man will hinein geboren oder aus ihm heraus geboren wird, ihm jedenfalls verpflichtet ist. In diesem Sinn gibt es auch kaum Befreiung aus einem so genannten "Schicksalszwang" (Hermann Meyer 1986), denn das hieße Befreiung von der Wiedergeburt an sich, wie sie im Buddhismus demjenigen versprochen wird, der sich vom Ich und seiner Selbstverwirklichung zu lösen vermag, das heißt zurückfindet zum Ureinen in Gott. Wir müssen dabei aber gar nicht so sehr an die persönliche Wiedergeburt denken, sondern an das Geborenwerden der Menschen und aller Wesen, als Erneuerungsprozess an sich. Die vorangegangene Bezeichnung der Astrologie als Synthese menschlicher Vorstellungen bedarf allerdings einer Korrektur, denn sie basiert auf unserem heutigen Standpunkt, dem Blickwinkel der Nachgeborenen, und entstammt somit einer Zeit, in der die Betrachtung des Seins bereits in eine Vielzahl von Blickwinkeln zerfallen ist, die wir als Einzelwissenschaften verstehen. Die Entstehung der Astrologie aber ist vor diesem Zerfall anzusetzen, zu einem Zeitpunkt, als der Mensch gerade zum Bewusstsein erwachte, das heißt sich gerade von der Ganzheit des Seins durch das Erkennen abtrennte, zum Besonderen wurde, das der Natur in ihrer Unbewusstheit immer mehr gegenüberzustehen begann; ein immer weiter fortschreitender Prozess, der manchem gerade heutzutage wieder schmerzlich bewusst wird, und sich sei t dem 19. Jahrhundert in periodisch wieder aufflackernden Rufen nach einer neuen Ganzheitlichkeit äußert und zur Zeit unter dem englischen Schlagwort Holistik geläufig ist, was ja nichts anderes als Ganzheitlichkeit bedeutet.
Diese Ganzheitlichkeit ist entwicklungsgeschichtlich aber an eine Vorwissenschaftlichkeit gekoppelt, das heißt sie entstand vor der Aufsplitterung in die Wissenschaften, denn Wissenschaft ist keine Ganzheitlichkeit, sie beinhaltet bereits die Aufsplitterung in einzelne logische Schritte. Insofern ist es für uns heute wichtig, dieses Bedürfnis nach Ganzheitlichkeit vorwiegend als Sehnsucht des zersplitterten modernen Menschen nach seinem Ursprung zu verstehen - ein eigentlich religiöses Bedürfnis - und an dieses überlieferte Wissen nicht allein mit unserer logischen Wissenschaftlichkeit heranzugehen. Das heißt wir müssen im Falle der Astrologie die Überschneidungsgrenzen von vor wissenschaftlich ungenau spekulativer Ganzheitlichkeit und wissenschaftlich präziser Teilhaftigkeit erkennen. Im Grunde genommen ist diese Grenze leicht zu ziehen und bedeutet nur eine hohe Allgemeingültigkeit für die Astrologie, die den präzisen Fall also nicht erfasst, aber wie jede Typologie eine gewisse Vorsortierung enthält.
An einem konkreten Beispiel dargestellt, bedeutet der Planet Jupiter in der Astrologie, das Tierkreiszeichen Schütze oder ein Verhältnis von zwei Planeten in einem Winkel von 120 Grad das Prinzip der maßvollen Ausdehnung. Vom ganzheitlichen, allgemeinen Standpunkt aus endet eigentlich bereits hier die rein astrologische Aussage. Der Prozess der Ausdehnung ist höchst allgemein, tritt aber in vielen Teilbereichen in einer spezifischen Form auf. So bedeutet im physikalischen Sinn Ausdehnung: größer werden, an Volumen zunehmen, muss aber dabei nicht unbedingt auch schwerer werden bedeuten. Im biologischen Sinn beinhaltet Ausdehnung Wachsen, was gleichzeitig mit guten Lebens-Förderungen und -Umständen, einem „genug an Vorräten haben“ verbunden ist. Im Seelischen wird darunter Lebensfreude, Hoffnung, das Gute, Optimismus verstanden; im Religiösen Moral, Ethik, die gute Tat, ja in gewissem Sinn auch der Weg zum Guten, zu Gott, zum Heil, etwas das über das Irdische und den Menschen hinausweist: Im Medizinischen berührt es den Sinn von ganz heil und gesund sein; in der Rechtswissenschaft bezieht es sich auf das Richtige, das Rechte, eben auch das, was gut und heilsam für die Gemeinschaft ist. Besser als die Sprache eignet sich das Bild in seiner Ganzheitlichkeit zur Verdeutlichung. So wurde zum Beispiel für die 1. Mai-Werbung der Gewerkschaften 1987 das gleiche Bild verwendet wie für die Produktwerbung eines Fleisch-Verarbeitungs-Betriebes: nämlich das Bild einer glücklichen Familie. Beide spielten damit auf ihr eigentliches Ziel an, ein nicht genauer zu definierendes Wohl-Sein, eine heile Welt, in der der Mensch glücklich ist, alles hat, was er dazu braucht. Die Bildhaftigkeit ist ein wesentliches Merkmal der Vorwissenschaftlichkeit und daher der Astrologie. Aus dieser Bildsprache heraus findet auch der künstlerisch-visionäre Mensch leichter zur Astrologie als der rein intellektuelle. Wir erkennen die Zusammengehörigkeit solcher Prozesse im Sinne der Ganzheitlichkeit heute nur mehr schwer, sie wird uns aber sofort deutlich, wenn wir frühe Kulturen des Menschen betrachten und dort finden, dass der König, der Priester, der Richter, der Medizinmann, ja oft der, welcher vorrangig zeugen darf, in einer Person vereinigt waren. Es wäre nun für unseren Bewusstseinszustand heute voreilig, aus der Schütze- oder Jupiterbetonung in einem Horoskop konkret auf Reichtum, Adel oder gar den Beruf des Juristen oder Priesters zu schließen, sondern wir müssen aus den konkreten, detaillierten Umständen, unter Wahrnehmung dieses bestimmten Menschen, seiner speziellen Verwirklichung dieses Prozesses nachspüren, wie Geschlecht, Kultur, Tradition, Erziehung diesen Prozess bereits definiert und kanalisiert haben. Hier sehen wir die Möglichkeit für eine heutige Anwendung im therapeutischen Bereich. Sie liegt bei der Unterstützung und Aufschlüsselung vorwiegend psychosomatischer Prozesse, das heißt Grenzgebieten, wo sich seelische und körperliche Erscheinungen überschneiden, Wunsch und Wirklichkeit sich berühren und gegenseitig beeinflussen.
Wir sollten aber "körperlich" nicht allein auf unseren leiblichen Körper beziehen, sondern darunter alles verstehen, was geworden ist, also materiell bereits in Erscheinung steht, was im weitesten Sinn die Vergangenheit an sich bedeutet. In einer Art Rückführung auf den ursprünglichen Ausgangsprozess können so verschiedene Lebens-Erscheinungen erklärt und - wenn nötig - auf ihnen gemäße Art korrigiert werden. Diese Korrektur findet in einer Art Analogieverschiebung statt. Das heißt ein ehemals negativ erlebter seelischer Vorgang wird über Analogie, also Ähnlichkeit, auf das entsprechende seelische Grundbedürfnis zurückgeführt und von dort dann wieder verschoben, aber auf eine ihm gemäße, positive Art des Auslebens. Aus dieser Vorstellung resultiert dann eine so genannte "Befreiung vom Schicksalszwang" (Titel eines 1986 erschienenen Astrologiebuches), wobei dieser Begriff als Schlagwort nicht besonders glücklich gewählt ist, da er einerseits einen Zwang voraussetzt und andererseits die Befreiung von Struktur überhaupt suggeriert. Die Betonung müsste aber eher auf dem Spielraum zwischen Zwang und Freiheit liegen, einer Neigung oder Latenz zu bestimmten Vorstellungen und Verhaltensweisen. Über den Begriff der Rückführung auf Ausgangsprozesse verstehen wir auch, warum das erste, noch unverbildete, unkanalisierte Auftauchen dieser Prozesse besonders zur Geburt sichtbar wird, also die Geburtszeit in der Astrologie so bedeutsam ist, da sich hier das Einzelwesen aus der Ganzheit des Seins abspaltet, noch relativ ungezeichnet ist. Hier berührt sich die Astrologie mit Janovs Primärtherapie ("Rebirthing"), wo versucht wird, diesen Geburtsaugenblick therapeutisch wieder lebendig werden zu lassen. Die weitere Spezialisierung und Formung setzt dann durch die gegebenen Umstände ein, die bereits vor und um das neue Lebewesen vorhanden sind, also sich früher aus dem Ganzen abgespalten haben. Die Abspaltung aus dem Ganzen trägt gleichzeitig das Bild des Ganzen in sich - und zwar des Ganzen in seiner räumlich gewordenen Besonderheit: Das ist der Zustand des Kosmos, unseres Planetensystems im Zeitpunkt der Geburt. Daraus ergibt sich die Parallelität von Raum und Zeit. Das heißt, dass jede Zeit ihre prinzipiellen Erscheinungsformen bereits wie ein Samenkorn in sich trägt. wir bezeichnen das zum Beispiel mit Zeitgeist, dem Geist, der der Zeit innewohnt und sich letztlich als so genannte Wirklichkeit materialisiert. Der Augenblick der Abspaltung, die Geburt, zeigt also nur eine ganz grobe Vororientierung, zum Beispiel, indem mehr der ausdehnende oder beschränkende Prozess im Leben betont ist, und in welchem Verhältnis beide zueinander stehen.
Sehr vereinfacht ausgedrückt, kennt die Astrologie ca. zehn unterschiedliche Prozesse, die aus der Dynamik des Planetensystems zur Geburtszeit abgeleitet werden. Das Verhältnis dieser Prozesse zueinander zeigt eine Art Gestalt- und Triebstruktur für das neue Lebewesen an. Gestalt als Raum und Trieb als Zeitdimension sind aber komplementär, also aufeinander bezogen wie Körper und Seele, daher kann diese Struktur genauso physiologisch wie psychologisch interpretiert werden. Die einzelnen Prozesse sind aber nicht ganz eindeutig zu definieren. Sie werden eher in ihrer gegenseitigen Abgrenzung umschreibbar. Wenn ich jetzt einige Stichworte dafür gebe, so bleiben die Definitionen noch sehr unvollständig: Sonne = Zentrierung, Mond = Umgebung, Merkur = Verbindung, Venus = Ergänzung, Mars = Trennung, Jupiter = Dehnung, Saturn = Begrenzung, Uranus = Unregelmäßigkeit, Neptun = Auflösung, Pluto = Umwandlung, Mondknoten = Einordnung. Die Anzahl "zehn" der Himmelskörper weist eine Analog ie zu unserer zehn Fingern auf, mit denen wir die Welt im doppelten Sinn begreifen.
In diesem Zusammenhang ist nun der Begriff des Symbols wichtig. Ein Symbol steht für etwas anderes; es steht an seiner Stelle. Es ist ein Schlüssel für bestimmte Inhalte, es weist auf sie hin. Daher ist ein Symbol mehrdeutig. Auch ein Wort ist Symbol mit verschiedenen Inhalten. Daher können wir unter dem Begriff der Begrenzung oder Ausdehnung sehr vieles verstehen. Bei einer Geburt können zum Beispiel astrologisch gesehen Begrenzung und Ergänzung in ein Verhältnis treten. Es kommt nun darauf an festzustellen, was dieses Lebewesen real für Werte unter diesem Symbol angesammelt, das heißt erfahren hat. Das wird durch persönliche Umstände, Kultur und Epoche bestimmt. Ergänzungsbegrenzung entspricht begrenzter Beziehungsfähigkeit und wird je nach Umständen zum Beispiel im Viktorianischen Zeitalter andere Folgen haben als heute. Was bleibt, ist die Tatsache, dass unter diesem Aspekt Erfahrung gesammelt, die Welt also betrachtet wird. Konkret mag sich das bei einem Menschen in Schüchternheit, Isolierung, Ehelosigkeit oder Treue, Liebe zu Tieren, zu Dingen, also Besitz, usw. äußern. Diese konkrete Form aber kann man nicht ohne konkrete Betrachtung des Menschen kennen. Es gibt allerdings sozusagen kollektiv geregelte und akzeptierte Formen, wie sich so etwas in einer bestimmten Gesellschaft am leichtesten ausleben lässt. Bei uns wird zum Beispiel Materialismus, die Liebe zu den Dingen, also Fetischismus und Konsum, nicht getadelt, die Treue erscheint uns wertvoll. Diese Beziehungs-Begrenzung, die im Allgemeinen schon embryonal durch die besondere Beziehung der Eltern zum Kind einsetzt, tritt rhythmisch immer wieder verstärkt ins Bewusstsein. Aus der Kenntnis dieser Rhythmen, entsprechend der Planetenbewegung, resultiert dann die astrologische Prognose. Diese berechenbaren Zeitpunkte können im Krankheitsfall wertvolle Hinweise für eventuell notwendige Therapien sein. Stanislav Grov vom Esalen-Institut in Kalifornien hat diese Rhythmen bei seinen LSD-Therapien mit einbezogen, um so bestimmte, unbewusst angesammelte Erfahrungen gezielter erreichen zu können.
So formt sich also in jedem Lebewesen in Beziehung zu allen bereits vorangegangenen und gegenwärtigen Leben eine neue einmalige rhythmische Ausformung der Lebensprozesse, seiner besonderen Situation entsprechend. Und von da aus begreifen wir auch die Beziehung zur Reinkarnation, welche ein rhythmisches sich verwirklichen, wieder in Erscheinung treten, sich materialisieren bestimmter Lebensprozesse, Lebens-Erscheinungen meint. Reinkarnation bedeutet auf Lateinisch: wieder Fleischwerdung. Urbilder des Seins, sich aus dem Ganzen abspaltend, treten in immer neuen Verwandlungen in Erscheinung. Auf diese Weise ist alles Sein, alle Gegenwart verbunden mit dem Ursprung, alle Handlungen, alle Taten und Erfahrungen der Vergangenheit sind in unserer Gegenwart lebendig, bilden das Fundament für unser Leben und beinhalten im religiösen Sinn auch die Schuld aller Vorangegangenen, der wir nicht entrinnen können, da sie Teil unseres Selbst ist, auf das wir unsere eigene Schuld des Lebendigseins laden und im folgenden vererben in der Erbsünde. Diese Sünde hat ihren Ursprung in der ersten Abspaltung vom Ganzen, in der Trennung vom göttlichen Einen, zu dem Zeitpunkt, als Licht und Dunkel sich bildeten, Erkenntnis, Bewusstwerdung und Unterscheidung entstanden, jenes, was wir Gut und Böse nennen, Form wurde, nach den Folgen unserer Taten, die Karma heißen, aufgezeichnet in der Chronik des Lebens, die wir Vergangenheit nennen, die nichts anderes ist als jene geheimnisvolle Akasha-Chronik aus der Esoterik.
Alle Lebensäußerungen könnten nun auf eine Urabspaltung vom Ganzen zurückgeführt werden oder besser: auf einen ihnen allen gemeinsamen ersten Ausgangspunkt, als sie noch nicht voneinander getrennt waren, als noch die Ureinheit bestand. Aus diesem Zustand ließe sich aber nichts Besonderes ableiten, da ja noch nichts abgespalten war, noch keine Ursonderung vorlag - in der Naturwissenschaft vergleichbar einer Situation vor dem Urknall. Die erste Sonderung als Besonderheit und Ursprung unserer Lebensäußerungen liegt in der Besonderheit unseres Planetensystems. Es bildet den Ausgangspunkt für unser Leben in diesem Sonnensystem, das mit seinen Rhythmen, Umdrehungen, Licht- und Schattengegebenheiten, Wärme- und Kälteschwankungen, räumlichen wie zeitlichen Veränderungen das Urwesen unseres Seins vorgab, ja Urwesen, Urmutter unseres Seins auch ganz konkret ist. Die physikalisch messbaren Fakten von Geschwindigkeiten, Strahlungen, Maßen und Massen bilden dabei nur den geringsten, eben von uns materiell erfassbaren Teil dieser Ureinheit, die letztlich in ihrer Gesamtheit das Geheimnis unseres Ursprungs bildet, in der Geist und Materie eins sind.
Jene Menschen der Frühzeit in ihrem erwachenden Bewusstsein standen wohl auch diesem Ursprung näher, konnten ihn mehr erahnend an sich erfahren, in Regeln fassen, eine Wahrnehmungsfähigkeit, die uns heute fast vollkommen verloren gegangen ist, denn wir müssen uns darüber klar sein, dass nicht jede Epoche dieselben geistigen Fähigkeiten hat und die Mehrzahl unseres Wissens eigentlich nur auf der Übernahme von Entdeckungen vorangegangener Generationen beruht. Müssten wir alles selbst entdecken, wir wären nicht in der Lage dazu. Später geboren zu sein, heißt nicht unbedingt, fähiger zu sein, es heißt auch degenerierter, teilhafter zu werden. Das Leben besteht aus zwei gegenläufigen, sich überschneidenden Entwicklungen, von denen eine von der Ganzheit sich spaltend zum Teil führt und eine vom Teil synthetisch zum Ganzen. Schnittpunkt ist unsere Existenz. Auf diese Weise ist uns auch eine so genannte "Entdeckung der Astrologie" durch unsere Vorfahren nicht mehr nachvollziehbar, bleibt im Dunkel der Vorzeit verborgen.
Diese Verborgenheit des Ursprungs, seine Rätselhaftigkeit und logische Unzugänglichkeit, führt uns auch zum Aspekt des Okkulten und Esoterischen in der Astrologie. Die Astrologie wird ja oft als esoterische oder okkulte Disziplin betrachtet. Das lateinische "okkult" heißt auf Deutsch: verborgen oder verdeckt, "esoterisch" aus dem Griechischen heißt: innerlich - im Gegensatz zu "exoterisch": äußerlich. Diese Innerlichkeit betrifft eben das noch nicht Verwirklichte, Veräußerlichte in der Astrologie, ihren nur prinzipiellen, strukturellen Charakter: wenn zum Beispiel die zuvor erwähnte Verwirklichung des Jupiterprinzips als Ausdehnung konkret noch nicht bestimmbar ist. Dieser Umstand setzt die Astrologie sofort in Gegensatz zur Naturwissenschaft oder was wir üblicherweise darunter verstehen, denn die Naturwissenschaften beschäftigen sich vorrangig mit den äußerlichen, also bereits konkret in Erscheinung getretenen Ausformungen des Seins, nicht mit ihrem verborgenen Inneren, noch ihrem höchst allgemeinen Ursprung. Höchstens in der Atom- oder Teilchenphysik kommt man auf ähnliche Weise inneren Ursprüngen nahe, wobei sich gerade die Unvorhersagbarkeit bestimmter Ereignisse herauskristallisiert, ein ähnlicher Vorgang, den wir in der Astrologie finden, was die gängige Meinung über die Vorhersagbarkeit von Ereignissen und Charakteren geradezu auf den Kopf zu stellen scheint. Vorhersagbar ist eben nur, um bei unserem Beispiel zu bleiben, dieser innere Drang nach Ausdehnung, höchstens eine statistische Wahrscheinlichkeit von Äußerungsformen.
Wie sich das im einzelnen konkreten Fall, beim Einzelmenschen auswirkt, in Erscheinung tritt, ist von allen Umständen seines konkreten Lebens abhängig und besonders vom Blickwinkel, den wir auf dieses Leben werfen. Ähnliche Aussagen beinhaltet die so genannte Heisenbergsche Unschärferelation in der Teilchenphysik, indem sie das Ergebnis einer Beobachtung, eines Versuches vom Standpunkt des Betrachters abhängig macht und Ort und Impuls oder Zeit und Energie, als komplementäre Größen betrachtet. Solche Größen lassen sich nur bis zu einer bestimmten Genauigkeit messen, denn jede Messung einer der beiden bewirkt eine Veränderung des Gesamtzustandes. Das ist eine Tatsache, die bei der Beurteilung menschlicher Wirklichkeit noch viel zu wenig beachtet wird. Sie ist aber zum Beispiel bereits eine Grundlage im Konstruktivismus, der von der Einsicht ausgeht, dass jede Wirklichkeit die Konstruktion derer ist, die diese Wirklichkeit zu entdecken und zu erforschen glauben. Auch in der Psychologie finden sich ähnliche Erkenntnisse, indem man bei methodischen Verhaltensüberprüfungen mit einbeziehen muss, dass die Person weiß, dass sie untersucht wird (Reaktivität). Diese Umstände in ihrem komplexen Zusammenspiel, das viel komplexer ist als der Mensch es zu denken imstande ist, sind für ihn letztlich also undurchschaubar, ergeben aber Wirklichkeit, konkret erfahrbare Zustände, Eigenschaften, Ereignisse, die in ihrer letzten Ausprägung nie vorhersagbar sein können, da noch dazu jeder von uns mit seinem kleinen Anteil vom schöpferischen freien Willen des Uranfangs auf alles bis daher Gewesene und um ihn Seiende einwirkt. Die Beschäftigung mit der Astrologie verlangt also eine weise Zurückhaltung, das Erfassen dieser labilen Schnittstelle zwischen werden wollen und geworden sein.
Es ist heute eine gängige Ansicht, dass das Okkulte, Esoterische oder Geheimwissen reif wäre, der Öffentlichkeit und den Massen übergeben zu werden, während es früher durch Weise und Geheimbrüderschaften zurückgehalten wurde. Die Vermarktung der Esoterik im Verlagswesen, in Eso- und Astro-Instituten mit ihren Workshops und durch die Computerhoroskop-Deutungen spricht nicht gerade für einen weisen und reifen Umgang mit diesem Thema. Nach einer vorangegangenen Überschätzung der Wissenschaft zeigt sich bereits in manchen Kreisen nun ein Ausschlagen des Pendels in die andere Richtung, eine Vermischung von Dogmatismus, Aberglaube und Geschäft, die das Eigentliche der Esoterik immer mehr ins Äußere verwandelt, also ins Exoterische trägt und damit ins Absurde führt. Dabei sollten wir uns erinnern, dass Aberglaube ja nur Gegenglaube heißt und sich negativ darin äußert, dass jetzt einfach das Gegenteil geglaubt wird, um des Gegenteils willen. Durch die Veräußerlichung der Esoterik zeigt sich aber auch ihr Wesen: Sie kann gar nicht zu sehr veräußerlicht werden, weil sie damit immer falscher wird. Das Eigentliche der Esoterik, seinem Wesen nach versteckt und verborgen, (ent-)zieht sich immer wieder in sich selbst zurück, bleibt eben verborgen im Wesen des einzelnen Menschen selbst, kann nur über den Weg nach innen erfahrbar werden. Jeder einzelne muss diesen Weg für sich selbst beschreiten, zurück zu seinem Ursprung, der gleichzeitig auch Ursprung des Seins an sich ist. Auf diese Weise berührt die Esoterik oder das Okkulte die Mystik, kann Wegweiser und Begleiter des mystischen Weges werden, wie bei der Heiligen Hildegard von Bingen, deren Schriften "zur Kosmologie und die Visionen des lebendigen Lichts" uns diesen Weg zeigen. I n der Mystik - das Wort kommt vorn lateinischen "mysticus": geheim und weist über das deutsche "heim" auf innewohnend - wird das Einswerden mit dem Ursprung im göttlichen Selbst angestrebt. Das Göttliche ist das Eine, Ungeteilte, Undefinierbare, das in uns wohnt, wie wir in ihm. Die Mystik beschäftigt sich nicht mehr mit den irdischen Auswirkungen, mit der Schnittstelle zum äußeren Leben, wie die Astrologie. Sie führt eben hinter diese Schnittstelle zurück, bevor sich die Welt in ihre vielfältigen Erscheinungen zu teilen begann. Sie führt zum unteilbaren und daher auch nicht mitteilbarem Göttlichen. Sie führt uns zur Lösung vorn Ego, ähnlich wie im Buddhismus, weg von einer vordergründigen Selbstverwirklichung, ganz im Gegensatz zu vielen modernen Therapien, mit denen sich heute oft auch die Astrologie verbindet. Wir können von der Astrologie als Schnittstelle sozusagen wählen, in welche Richtung wir sie anzuwenden wünschen: mehr zum Materiellen und Ich hin oder zum Ureinen, Göttlichen. Für beides aber ist sie nur Wegweiser, nicht das Ziel selbst. So entspricht unserer Sehnsucht nach dem Ursprung von Zeit und Raum Parzivals Rolle im keltischen Mythos von der Suche nach dem Gral.
Die Pflicht einer heute sich wieder neu festigenden Astrologie sollte also von zwei entgegen gesetzten Seiten ausgehen, die ja von der Astrologie selbst beide berührt werden. Es muss einerseits der religiöse, okkulte Charakter beachtet werden, und zweitens sollte die Konkretisierung astrologischer Aussagen und Berechnungen einer viel intensiveren Kontrolle unterworfen, die Überschneidung beider Bereiche deutlich gemacht werden. Besonders problematisch erscheint mir in dieser Hinsicht die Computerhoroskop-Deutung, die - obwohl lange zeit von vielen Astrologen abgelehnt – dann letztlich doch akzeptiert wird, da sie ein sehr gutes Geschäft ist, was aber letztlich der Astrologie eher schadet. Psychologische Allgemeinplätze vermischen sich hier zu leicht mit falsch verstandenen Erwartungen an die Objektivität eines Computers. Wegen der allgemeinen Beliebtheit dieser Automatentexte möchte ich etwas näher darauf eingehen. Auch Computerhoroskop-Deutungen sind von Menschen geschrieben und programmiert, und ihre Objektivität zeigt sich gerade darin, dass sie zu wenig an die tatsächliche Problematik des betreffenden Menschen angepasst sind, und in den meisten Fällen fehlt noch dazu eine strukturierte Deutung, die zu einer Wertung und einem Vergleich der Einzelaussagen untereinander führt, da solche Feinheiten vom Computer in seiner speziellen Mechanik sprachlich kaum zu bewältigen sind.
Ganz allgemein muss man wissen, dass in der Astrologie, wenn sie genauer betrieben wird, für ein Horoskop relativ viel Rechenarbeit notwendig wird, besonders bei der Prognose. Da ist der Computer recht hilfreich, weil er diese Arbeit schnell und richtig erledigt. Früher wurden doch relativ viele Fehler bei den Berechnungen gemacht oder umständlichere Berechnungen weggelassen, mit Vereinfachungen gearbeitet. Diese Möglichkeit, alles nur Erdenkliche vom Computer berechnen zu lassen, führt aber auch zur Gefahr der Verzettelung, indem die verschiedensten, sich widersprechenden Methoden ausprobiert werden, die natürlich häufig auch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen und so schon am Anfang zu einer Verunsicherung der Aussagen führen können, was ganz besonders die verschiedenen Versuche der Prognoseberechnung betrifft. So sollte man wissen, dass es zum Beispiel von einem Deutungselement wie den so genannten astrologischen Häusern über 20 unterschiedliche Methoden und Ergebnisse gibt, was nicht gerade auf eine hohe Aussagepräzision dieses Elementes schließen lässt. Meist bewährt sich da weniger und Älteres besser als die neuesten Spekulationen und Erfindungen, welche oft mit der astrologischen Software (Computerprogramme) angepriesen werden. Verschiedene Berechnungs-Methoden entsprechen verschiedenen Blickpunkten, und neuen Betrachtungsweisen fehlt häufig die entsprechende Überprüfung durch wirkliches Leben, was einen wesentlich mühevolleren Prozess darstellt als die Erfindung einer neuen Berechnung und daran geknüpfter Behauptungen. Noch dazu ist es mit unserer heutigen Intuition auf diesem Gebiet, wenn uns die nötige wissenschaftliche Sicherheit fehlt, nicht gerade gut bestellt.
Für den Astrologen gilt es nun, die Berechnungen in Deutung, also Sprache, umzusetzen. Zum Beispiel bedeutet ein bestimmtes Winkelverhältnis vom Planeten Uranus zur Sonne eine Anlage, sich unter Spannung immer wieder neu zu orientieren, sich von einem Druck befreien, also eine ziemlich häufige Standpunktverlagerung im Leben, die dann bestimmte Folgen haben kann: zum Beispiel Nervosität, Berufswechsel, Existenz-Zusammenbruch, Besserwisserei, Verlust von Freunden, aber auch Auswege aus festgefahrenen Situationen. Vielleicht kommt der Mensch sogar gegenteilig gar nie dazu, sich festzufahren. Er leidet dann vielleicht an einem gewissen Sicherungsmangel. Über die Folgen dieser einen Konstellation könnte nun fast endlos weiterspekuliert werden. In einem Planetenbild oder Horoskop gibt es aber noch jede Menge weiterer Konstellationen, die zum Beispiel dieser Unruhe entgegenwirken können, sie verstärken oder ziemlich beziehungslos daneben stehen. Es existieren nun astrologische Regeln, wie alle diese verschiedenen Antriebe aufeinander wirken, wobei praktisch kein Geburtsbild (außer "Horoskop-Zwillinge") gleich strukturiert ist. Diese strukturelle Darstellung kann man relativ leicht, zum Beispiel in Form einer Art Netzplan oder von Vektoren, verdeutlichen, was die eigentliche Aufgabe des Computers wäre. Schwierig wird es aber, das in ein komplexes, sinnvolles Ganzes einer Beschreibung eines Charakters oder seelischen Zustandes überzuführen.
Ein Computer ist nur sehr beschränkt in der Lage, diese im Grunde sehr schöpferische Arbeit befriedigend zu leisten, und obendrein werden - wie gesagt - strukturelle Deutungsregeln in Computerprogrammen kaum angewandt. Es fragt sich überhaupt, wie sinnvoll es ist, diesen Prozess dem Computer zu verantworten, da dieses Abwägen der Formulierungen, das Aufsuchen entsprechender sprachlicher Analogien bei der Deutung, den Bewusstwerdungsprozess überhaupt erst ausmacht. Der effektivste Vorgang ist daher, wenn der Betroffene selbst befähigt wird - zumindest in einem gewissen Umfang -, diese Umsetzung selbst durchführen oder nachvollziehen zu können. Das heißt er sollte sich eingehender mit der astrologischen Symbolsprache vertraut machen. Auch für den beratenden Astrologen selbst ist es wichtig, die vorgegebenen abstrakten Strukturen des Planetenbildes immer wieder neu in analoge, lebendige Vorgänge umzusetzen, wobei natürlich das Eingehen auf die speziellen Umstände des Ratsuchenden selbst die besten Ergebnisse bringt. Aber auch ohne besondere Kenntnis dieses Hintergrundes hängt die sprachliche Synthese eines solchen Planetenbildes von einem sehr intuitiven Abwägen der Einzelkomponenten zueinander ab. Was lässt man zum Beispiel weg, weil es in ähnlicher Form bereits vorkam? Wie verbindet man zwei charakterliche Gegensätze am besten bei gleichzeitiger Miteinbeziehung und einem Hinweis auf bereits früher Besprochenes? Immer wieder wird es bei der sprachlichen Umsetzung notwendig, konkrete Details vor einem allgemeinen Hintergrund zu sehen und abzuwandeln, zu überlegen, wie sie sich in diesem speziellen Fall verändern.
Obwohl dieser Deutungsprozess auf dem Hintergrund der vorgegebenen Horoskopstrukturen stattfindet, so macht er doch schöpferische Fähigkeiten notwendig, die in der Nähe eines dichterischen Aktes liegen, daher sind künstlerisch begabte Menschen häufig für die Deutung zugänglicher und befähigter als rechnerisch begabte. Ein ganz wesentliches Element ist das Erfassen des folgenden Spielraums: Wie weit darf die freie analoge Darstellung gehen, wo findet sie ihre Grenzen? Wo knüpfe ich zum Beispiel beim Leben des Ratsuchenden an, welche Möglichkeiten zeige ich ihm speziell auf, wieweit provoziere ich ihn, wieweit nehme ich eine solche provokative Beschreibung wieder zurück, an welcher Stelle? Diese zwischenmenschliche Sensibilität, die an das komplexe Wahrnehmungsvermögen zweier Menschen gebunden ist, gibt der Horoskopdeutung eigentlich erst lebendige Fülle, lässt den Ratsuchenden sich angesprochen fühlen, indem er den geistigen Akt, das Bemühen des Deutenden für ihn ganz speziell wahrnehmen und befruchtend aufnehmen kann. Auf diese Weise springt der Erkenntnisfunke über, ganz ähnlich wie bei einem guten Gedicht, das bestimmte Assoziationsketten in uns wachruft. Computer sind ja bekanntlich nicht in der Lage, wirklich Gedichte zu schreiben oder zu übersetzen, und nur in sehr begrenztem Umfang - bei einem gewaltigen Programmieraufwand - sind sie in der Lage, von einer Sprache in die andere zu übersetzen. Das entstandene Übersetzungsprodukt muss immer noch von einem Menschen überarbeitet werden. Und wie deutet der "In a cool reasen a mill wheel goes ther", was ursprünglich bedeutete: "In einem kühlen Grunde, da geht ein Mühlenrad". Das Beispiel macht uns aber weniger auf die verlorene Poesie aufmerksam, sondern auf die Schwierigkeit des Computers, mit analogen Bedeutungen umzugehen. "Grund" bedeutet eben auf Deutsch verschiedenes, das jeweils aus dem Gesamtzusammenhang durch Intuition erfasst werden muss. Aus diesem Grunde der Miteinbeziehung der deutenden Personen und ihrer Intuitionen unterscheiden sich auch Horoskope verschiedener Astrologen - genauso wie das, was der Betroffene darunter versteht. Allerdings sollte der gleiche Kern auch bei unterschiedlicher Formulierung noch deutlich erkennbar und mitteilbar bleiben.
Wesentlich ist auch, dass der Astrologe das Planetenbild im Allgemeinen aus der Betrachtung der Zeichnung heraus deutet. Das kommt einer Bildbeschreibung gleich, einem schauenden Erfassen, einem Zusammenschauen. Diese Art der Wahrnehmung ist von höchst komplexer, also ganzheitlicher Art und kommt daher dem künstlerischen und seherischen Akt gleich. Auch für den Ratsuchenden ist dieser schauende Prozess sehr vorteilhaft. Er vermittelt ihm ein Bild, also ein Ganzes, das durch die alleinige sprachliche Beschreibung nicht vermittelt werden kann. Der Deutende erfasst solche Bildstrukturen auf einen Blick als Ganzes. Dieser entscheidende Vorgang ist zum Beispiel mit einem Computer nicht möglich, und ich frage mich überhaupt, warum man sich diesen Vorgang eigentlich abnehmen lassen sollte? Der Computer geht den ganz umgekehrten Weg, Schritt für Schritt Einzelergebnisse aneinanderreihend. Eine Horoskopbeschreibung aber ist durchaus einer Bildbeschreibung ähnlich. Vom Wesen her sind also Bildbeschreibungen für einen Computer nicht möglich. Es ist an dieser Stelle vielleicht interessant, dass die Astrologie selbst ein logisch aneinanderreihendes , analytisch-mathematisches Prinzip kennt, das als merkurisch bezeichnet wird, und diesem Prozess genau entgegengesetzt ein visionär schauendes, fühlendes, bildhaftes Prinzip definiert, welches als neptunisch bezeichnet wird und in seiner höchsten Form religiöses Schauen meint! Die Computererfassung entspricht dem logischen Prinzip, die eigentliche Deutung dem visionär-bildhaften. Erst die Verbindung beider ergibt eine brauchbare Deutung.
Der Versuch, astrologische Computerdeutungen zu programmieren, ist sehr lehrreich, denn er führt uns zu grundlegenden Erkenntnissen über Astrologie überhaupt und ihrem intuitiven, visionären Anteil. Eine Computerdeutung entspricht in ihrem Ergebnis etwa der Beschreibung eines Gegenstandes von seinen Einzelteilen her, aus denen er zusammengesetzt ist, ohne dass letztlich das Zusammenspiel und der Zweck des Ganzen deutlich wird. Es kommt dabei in erster Linie eine aufzählende Beschreibung bereits bekannter Einzelteile heraus, mit deren Einzelbeschreibung der Computer vorher programmiert wurde. Ohne Zweck und Zusammenspiel des Gerätes zu kennen, weiß man letztlich, aus wie vielen Schrauben, Beilagscheiben, welchem Gewicht, welcher Dichte, Lichtdurchlässigkeit, Strahlungsabgabe oder ähnlichem das Ding besteht, was aber nur sinnvoll ist, wenn ich das Ding auch als Ganzes verstehe, also im Sinne des Satzes: "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile". Ein Computer erkennt in erster Linie nur, was ihm vorher an Erkenntnis eingegeben wurde. Auf diese Weise bekäme man Beschreibungen, die sich viel zu lange bei einem Detail aufhalten, ohne dass uns der Sinn des Ganzen aufgeht. Manchmal kann ja sogar vom Menschen Geschriebenes diese Wirkung haben.
Ein anderes Beispiel, welches uns sehr gut den Anteil an Intuition, Sinngebung und Analogie verbildlicht, ist das Tangram oder Weisheitsbrett, ein chinesisches Formen- oder Legespiel. Die Situation mit dem Tangram eignet sich auch gut, um Analogie an sich zu illustrieren, wie vorher beim Mühlengrund und dem Grund als Ursache. Das griechische "analogos" bedeutet "entsprechend, gleichartig, meint diese Ähnlichkeit aber in Bezug auf eine gleichzeitige Verschiedenheit. Die Bedeutung von "ana", unserem "an" entsprechend, ist "entlang". Die Gesamtbedeutung ist: entlang oder parallel zur Logik, also nicht rein logisch. Logik kommt vom griechischen "logos", was soviel wie Wort und im philosophischen Sinn nach Heraklit Weltvernunft als ein göttliches Prinzip meint. Daraus hat sich dann die Logik als Lehre vom formal richtigen Denken entwickelt, im Sinne von "wenn - dann". Wenn es in der Bibel heißt, "am Anfang war das Wort", dann ist damit der göttliche Logos gemeint. Und wenn in der Bibel von der babylonischen Sprachverwirrung gesprochen wird, dann ist. darunter das zunehmende Unverständnis gegenüber diesen Urworten gemeint, bis herunter zu unserem Fremdwortgebrauch, der uns schon im Alltag vom eigentlichen Urverstehen immer mehr abschneidet. Analog bedeutet also eigentlich parallel zu diesem Logos. Analoge Begriffe sind zum Beispiel alt, langsam, sicher, dicht, fest, erfahren, schwer, oder eine andere Analogiekette: Nebel, unklar, Droge, Flucht, Zerfall, schweben, unsicher. Jede Kette kann unter einem Oberbegriff zusammengefasst werden. Hier handelte es sich zuerst um eine saturnische, dann um eine neptunische Kette.
Nun zum Weisheitsbrett selber: Es besteht aus einem Quadrat, das in sieben unterschiedliche Teile zerschnitten ist. Daraus lässt sich im wahrsten Sinn des Wortes eine Unzahl verschiedenster Strukturen zusammensetzen, deren Sinn gedeutet wird. Die Gebilde können mehr oder weniger eine Analogie zu uns bereits bekannten Formen aufweisen. Es wäre ziemlich sinnlos, einen Computer mit deren selbständiger, freier Deutung zu beauftragen. Er könnte höchstens bereits beschriebene Kombinationsfolgen wieder erkennen, wobei fraglich ist, ob jeder Betrachter der Meinung der Programmierer ist. In der alten Astrologie gab es übrigens auch nur sieben Teile, eben die mit freiem Auge sichtbaren Himmelskörper. Und ein Horoskop setzt sich ebenso aus einer Unzahl von Möglichkeiten zusammen, wie diese Himmelskörper oder Planeten zueinander stehen können. Noch deutlicher würde uns das Versagen des Computers, sollte er uns etwas über die Bedeutung erzählen, die ein aus den sieben Grundtönen zusammengesetztes Musikstück in uns erzeugt hat.
Auch die neuen so genannten Expertensysteme mit künstlicher Intelligenz - das sind bestimmte Programmiertechniken wie zum Beispiel Turbo-Prolog - schaffen diese wertende Synthese nicht. Sie sind aber in der Lage, eine Verknüpfung möglicher Analogien, die man ihnen vorher eingegeben hat, aufzustellen. Der Mensch, Therapeut oder Ratsuchender, könnte die Ergebnisse dann für sich zur Diskussion stellen. Diese Programmiersprache der fünften Generation, wie sie häufig genannt wird, wäre also für den Fachmann als Hilfsmittel geeignet. Hier und in der astronomischen Berechnung scheint mir auch noch am ehesten der Sinn der Computertechnologie für die Astrologie zu liegen. Man kann natürlich eine bestimmte Analogiefolge ausdrucken lassen, die sich zum Beispiel als in unserer zeit häufig erweist, und mit einem Text verzieren. Einen solchen Versuch hat gerade die Firma Astro-Dienst-Zürich unternommen, indem sie auf diese Weise Texte der Psychologin und Astrologin Liz Green zusammensetzt. Diese Firma ist nicht zu verwechseln mit Astro-Data aus Zürich, welche noch mit einem älteren System, arbeiten weniger strukturiert und ohne Symbolketten. Wenn die Textergebnisse mit den Methoden der künstlichen Intelligenz auch etwas besser sind als solche mit bisherigen Computersprachen, so fehlt eben auch ihnen das Eingehen auf die einmalige Persönlichkeit und die einzigartigen Umstände des betreffenden Menschen, die Auswahl der für ihn richtigen Analogien. Fragt sich letztlich immer wieder, ob dieser gewaltige Kraftaufwand an Programmierung das Ergebnis von der Sinnfindung her überhaupt lohnt. Schon jetzt kenne ich mehrere Leute, die ihre gebündelten Computerausdrucke von verschiedenen Astro-Instituten, kaum überflogen, im Regal ablegen. Da kommen mir die Computerreklamen in den Sinn, wo glückliche Menschen mit verschränkten Armen den Betrachter angrinsen, während der Computer im Hintergrund ihnen die Arbeit abnimmt. Nun ist das so eine Sache, wenn man sich die Arbeit zu sehr von anderen oder gar einer Maschine abnehmen lässt, besonders, wenn es sich um die Deutung des eigenen Lebens handelt. Vielleicht kommt auch noch demnächst jemand auf die Idee, sich das Leben selbst abnehmen zu lassen.
Zu einer ganzheitlichen Erfassung des Lebens, zur Freude des Daseins gehört auch die Arbeit. Es ist sehr wichtig zu überlegen, welche Arbeit wir uns abnehmen lassen wollen. Vielleicht die Sinngebung unserer Tangram- oder Weisheitsfigur? Eigentlich macht es doch Freude, diese Figur selbst zu deuten. Erkennen, Bewusstwerdung selbst ist Deutung des Lebens. Wir selbst geben unserem Leben die Deutung, das Sein um uns herum gewinnt eine für uns einmalige Bedeutung, die wir ihm selbst geben müssen. Die Astrologie stellt da eigentlich nur die Positionen und Blickwinkel fest, die wir bei der Deutung einnehmen, kaum mehr, mit welcher Bedeutung wir sie im Einzelnen füllen. Hier wird uns ein Leitsatz der Logotherapie eines Viktor Frankl klar: "Sinn kann nicht gegeben, sondern muss gefunden werden." Astrologie kann sehr gut diese Sinnfindung fördern. Die Anleitungsbücher für astrologische Deutungen oder deren Einprogrammierung in den Computer sind immer aus dem Blickwinkel des Deutenden geschrieben oder er deutenden Gemeinschaft, Kultur und Epoche. Daher lässt sich die Astrologie eigentlich fast mit jedem beliebigen psychologischen, religiösen oder weltanschaulichen System verbinden, trotzdem sich die Systemvertreter selbst oftmals einer solchen Verbindung widersetzen. Vorwiegend aus dieser Tatsache, aber auch aus unterschiedlichen Berechnungsmethoden, resultieren die verschiedenen astrologischen Schulen.
Die meisten Computerhoroskop-Deutungen unterscheiden sich in keiner Weise von einem sortierten Ausdruck aus einem üblichen astrologischen Deutungsbuch. Dort sind lauter Einzelkonstellationen beschrieben, die einzeln gar nie auftreten können, eben immer eine Teilbetrachtung des Menschen darstellen, ähnlich der Ersatzteilliste, die ein ganzes Gerät beschreiben sollte. Die Teile bekommen erst ihren Sinn in der Beziehung zu anderen und zum Ganzen, ähnlich einer Schraube, die zwei Teile miteinander verbindet. Die eigentliche Bedeutung bekommt sie erst daraus, welche Teile sie miteinander verbindet. Da diese überbrückende Deutung eben mit der Erfassung des Ganzen zu tun hat und höchst komplex ist, wird sie vorn Computer wesentlich unzulänglicher bewältigt als vorn Menschen, und zusätzlich geht bei der Maschine der Erfahrungsprozess, den Sinn in der Verbindung dieser Teile zu suchen und zu finden, verloren. Das heißt: er war gar nie vorhanden. Und gerade diese Erfahrung bei Suche und Findung macht das Wesentliche der Erkenntnis aus. Wir kommen hier auf ein Zentralproblem, besonders unserer Gesellschaft, das im Konsum liegt. Das heißt in der Benutzung von Produkten, zu denen wir außer ihrer Verwertung keine Beziehung mehr haben. Wir haben sie uns nicht erarbeitet. Sie sind - beim Computer ganz wörtlich verstanden - nicht unser Ausdruck. Daraus entsteht Beziehungs- und Orientierungslosigkeit, Entfremdung, wie es Karl Marx formuliert hat. In einem gewissen Maß ist eine solche Entfremdung ja immer gegeben, wenn wir die Produkte anderer verwenden. Auch in der Verwendung der Astrologie selbst, die wir nicht geschaffen haben, macht sich eine gewisse Entfremdung bemerkbar, indem wir nur schwer erkennen, was sie wirklich bedeutet. Entfremdung entsteht schon durch die Trennung der Welt in Teile, die unterschiedlichen Lebewesen. Der Mensch hat nun diese trennende Beziehungslosigkeit, seine Abspaltung aus der Natur, vorn umgebenden Sein, in extremer Form verwirklicht.
Es scheint mir daher nicht besonders heil- und sinnvoll, auch noch seine Lebensdeutung, also diesen höchst persönlichen Akt, ganz aus der eigenen Hand zu geben, denn was hätte der Mensch persönlicheres und dem Menschen gemäßeres, als seinem Leben seine Be-Deutung zu geben, indem er seine Ordnung mit der kosmischen Ordnung wieder in Beziehung bringt und so seinen eigenen Standort findet. Ein wesentlicher Bestandteil meiner Analysen besteht daher darin, den Ratsuchenden auch in die astrologischen Hintergründe und Deutungsgrundlagen einzuführen, um ihm so eine gewisse Selbständigkeit zu ermöglichen. Bei der allgemeinen Konsumhaltung unserer Zeit verwundert es nicht, dass da mancher jahrelang mit seinem zufällig falsch berechneten Horoskop lebt und ihm das nicht sonderlich auffällt, er nicht erkennt, dass seine Standpunkte ganz anders gelagert sind. Aber auch die Richtigstellung wird kaum Konsequenzen haben, wenn wir nicht die Mühe der eigenen Einarbeitung, der Beziehungs-Aufnahme zum eigenen Leben auf uns nehmen, und das heißt meist anstrengende Auseinandersetzung mit sich und anderen, mit den Psychoanalytikern, Therapeuten und Astrologen, deren Methoden und Fragestellungen.
Für die meisten Weltanschauungen und Theorien, auf denen eine Gesellschaft fußt, wird diese Arbeit bereits in einem gewissen Maß in der Schule vorgeleistet. Für das astrologische Weltbild müsste diese Auseinandersetzung später selbständig aufgebracht werden. Da nur die wenigsten diese Mühe aufs ich nehmen, können sie sich die Aussagen natürlich nur schwer wirklich zu Eigen machen. Und eigen werden heißt ja, anders werden, dem eigenen Leben entsprechend. So ändert sich jede Aussage, indem wir sie uns fragend zu Eigen machen. Daher wäre es notwendig, einen Astrologiekurs zu besuchen oder ein gutes Einführungsbuch zu lesen, wenn man sich schon eine solche Analyse machen lässt, besonders wenn es sich um automatisierte Textdeutungen handelt. Die Qualitätsunterschiede bei astrologischer Literatur, bei Astrologen selbst und im Kursangebot des wild wuchernden Eso- und Astro-Marktes sind für den Laien anfangs nur schwer festzustellen, aber das ist ja auch bei der Wahl eines Arztes oder Heilpraktikers nicht anders; da hilft nur die eigene Erfahrung.
In letzter Zeit wurde unter Astrologen häufig die Vorstellung vertreten, man sollte den Ratsuchenden überhaupt nicht mit astrologischen Fachausdrücken belasten und verwirren. Das hat bei manchen Automatentexten dazu geführt, dass nicht mehr klar ist, aus welchen astrologischen Fakten denn die Aussagen abgeleitet wurden. Eine solche Entwicklung scheint mir nicht gerade aufklärerisch zu wirken, und die Aussagen entziehen sich der Nachprüfbarkeit, ermächtigen den Texturheber oder die Maschine und entmündigen den Ratsuchenden. Da fängt man gerade in der Medizin zu begreifen an, dass es wichtig ist, dem Patienten seine Krankheit in ihren Gründen und Zusammenhängen deutlich zu machen, ihn so mündig zu machen; indem modernen Astrologie, die sich gern psychologisch orientiert nennt, scheint man sich aber dieser Einsicht manchmal verweigern zu wollen. Da könnte leicht der Verdacht aufkommen, man wolle sich auch einer Nachprüfung entziehen. Auf diese Weise sind nämlich die oft ganz erheblichen Unterschiede der Ausdeutung wesentlich besser zu vertuschen. Diese Tendenz dient in keiner Weise einer Aufklärung der Öffentlichkeit über Astrologie, denn es ist durchaus ohne besondere Schwierigkeiten und auch ohne Belastung des Lesers möglich, astronomische Hinweise unterzubringen. Im Falle der persönlichen Beratung kann man ja den Astrologen fragen. Natürlich sollte dieser den Ratsuchenden nicht mit fachlichen Hintergründen überlasten oder nur in dem Maße, in dem dieser bereits vorgebildet ist. Wenn Sie sich also ein Computerhoroskop machen lassen, sollten Sie mehr darauf achten, ob Text und astronomische Hinweise leicht in Beziehung zueinander zu bringen sind, und nicht so sehr, ob sie in jedem zehnten Satz mit Ihrem Vornamen angesprochen werden. Diese persönliche Anrede bringt Ihrer persönlichen Einsicht gar nichts, im Gegenteil kann sie dazu verwendet werden, e1nen für Sie extra geschriebenen Text vorzugaukeln, während sich andere Horoskopdeutungen nicht viel mehr von Ihrer unterscheiden als durch eine andere Reihung des Textes und die persönliche Anrede.
Hier sind wir nun bei der Überprüfung der Aussagen angelangt. In den letzten beiden Jahrzehnten wurde vielfach versucht, die Astrologie sozusagen wissenschaftlich zu untersuchen, und zwar weniger von der tiefenpsychologischen Seite her - was eigentlich wesentlich sinnvoller gewesen wäre -, sonder mehr von der Statistik und Persönlichkeitstests aus, wobei wiederum die Computerhandlichkeit dabei den Ausschlag gab. Die meisten solchen Versuche schlugen fehl, wiederum aus den Gründen, die ich bereits hinlänglich darzustellen versuchte, nämlich aus der Zusammenhangslosigkeit von Einzelaussagen, die aus isoliert betrachteten Einzelkonstellationen abgeleitet wurden. Unter einer solchen Einzelkonstellation versteht man zum Beispiel das Winkelverhältnis zweier Planeten zueinander, ohne dass dabei auf die Beziehung zu anderen Punkten eingegangen wird. Es zeigt sich immer wieder, dass es ziemlich sinnlos ist, Aussagen nachzuprüfen, die sich auf diese Einzelkonstellationen allein beziehen. Das ergibt fast notgedrungen ein vollkommen verzerrtes Bild, das sich dann statistisch niederschlägt. Die erfolg reichsten Untersuchungen auf dieser Basis, die für eine Bestätigung der Astrologie sprechen, hat der Statistiker und Psychologe Michel Gauquelin in mühevoller, jahrzehntelanger Arbeit durchgeführt. So konnte er Erbbezüglichkeit und eine sehr grobe Berufsbezogenheit in Horoskopen nachweisen, Untersuchungen, die bis heute nicht widerlegt werden konnten.
Die größte Schwierigkeit bei solchen Untersuchungen sind die so genannten experimentellen Kontrollbedingungen. Ein Verhalten oder eine Eigenschaft muss unter genau den gleichen Bedingungen wiederholbar sein. Eine fast unmögliche Bedingung für so komplexe Erscheinungen wie zum Beispiel Gefühle, Motivationen. Dazu kommt noch, dass sich die kosmischen Gegebenheiten dauernd ändern, nur ähnliche Wiederholungen zeigen. Was auf diese Art nachweisbar übrig bleibt, ist daher verschwindend gering gegenüber dem, was seelisch erfahrbar ist. Das liegt eben an der Unfassbarkeit seelischer Vorgänge und menschlicher Eigenschaften durch mathematisch-naturwissenschaftliche Definitionen und deren maschinelle Verarbeitung. Es liegt aber auch an der astrologischen Ungebildetheit derer, die oft diese Nachweise führen, und an einer mehr oder weniger unbewussten Absicht, bestimmte Ergebnisse erzielen zu wollen. Ganz im Sinne des Konstruktivisten Paul Watzlawick von der "Erfundenen Wirklichkeit" werden schon die Testvoraussetzungen nach dem erhofften Ergebnis gestaltet - und das trifft für Bestätigung wie Widerlegung zu. Das beginnt schon bei der Ungenauigkeit der Geburtsdaten und endet bei der Verkennung der Tatsache, dass die Astrologie nur Tendenzen beinhaltet, die oft recht widersprüchlich sein können, wie Menschen eben so sind. Und dann treten diese Tendenzen noch dazu nicht immer in Erscheinung, werden von verschiedenen Seiten verschieden beurteilt, vor sich und anderen verheimlicht oder verdrängt. Der Mensch ist eben noch immer ein höchst lebendiges Etwas, das sich der Beschreibung durch eine Maschine oder einer objektiven, das heißt naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise sehr erfolgreich widersetzt.
Zu diesen Schwierigkeiten kommt noch die geringe Selbsterkenntnis der Menschen und daraus resultierende Leichtgläubigkeit. Gauquelin hat das experimentell nachgewiesen, indem er per Anzeige eine kostenlose Computeranalyse anbot, mit der Bedingung, einen Fragebogen auszufüllen. Daraus ging dann hervor, dass sich die überwiegende Mehrzahl voll mit den Aussagen identifizierte. Es handelte sich aber bei der zugesandten Analyse immer um den gleichen Text, der noch dazu das Horoskop eines mehrfachen Mörders betraf. Wenn auch die moderne Astrologie davon ausgeht, dass die geistige und moralische Entwicklungshöhe nicht aus dem Geburtsbild abzulesen ist, so zeigt eine solche massive Fehleinschätzung der eigenen Person doch ein sehr unkritisches, orientierungsloses Publikum, das sich vieles einreden lässt, und andererseits auch die geschickte, nichts sagende Formulierung von Computeranalysen, deren Ersteller es sich ja mit ihrem Publikum nicht verscherzen dürfen, da sie sich sonst die Existenzgrundlage entziehen. Für eine moderne Überprüfung ist also immer noch die Tiefenpsychologie am sinnvollsten, wobei aber innerhalb der Psychologie durch die Zersplitterung in unterschiedliche Schulen die Abgrenzungstendenzen stark gefördert wurden. Das hat zur Folge, dass die einzelnen Richtungen genug mit sich selber zu tun haben, um ihre besondere Sichtweise zu verteidigen. Da bleibt dann nicht mehr so viel Interesse, Neuland wie die Astrologie mit einzubeziehen, wo man sowieso schon um seine Rechtfertigung kämpfen muss.
Am ehesten lässt sich noch die analytische, also die von Carl Gustav Jung gegründete Psychologie mit astrologischem Gedankengut verbinden. Wobei man aber nicht den Fehler machen sollte, die Astrologie mit Jung beweisen zu wollen. Das hieße etwa, das Pferd beim Schwanz aufzäumen. Denn Jung hat sich sein Leben lang sehr intensiv mit Esoterik beschäftigt, besonders mit der Alchimie, die ja aufs engste mit der Astrologie verbunden war, eine Art materialisierte Astrologie oder vergeistigte Chemie darstellte. Die Schaffung seiner Archetypenlehre ist also gerade von dorther beeinflusst, kann also schlecht als Bestätigung der Astrologie gelten. Es wäre aber falsch - und dieser Fehler wird heute vielfach gemacht -, eine Bestätigung der Astrologie rein von der Psychologie her zu erwarten. Wie bereits erwähnt, erfasst die Astrologie ja einen wesentlich weiteren Rahmen - nicht umsonst wurde sie früher als Königin der Wissenschaften bezeichnet und eher als Naturphilosophie verstanden. Neue übergreifende Wissenschaften wie die Psychobiologie, die Biologie ganz allgemein und im besonderen die Chronobiologie könnten sehr wertvolle Ansätze bieten, um ein neues Verständnis für die Astrologie in unserer Zeit zu begründen. Ich werde darauf noch später zurückkommen.
Die Überprüfung der Aussagen lenkt den Blick auch wieder darauf, wie die Aussagen zustande kommen und damit auf den Analogieschluss. Der darf aber meines Erachtens heute auf keinen Fall einzige Erkenntnisquelle bleiben. Das heißt der Astrologe muss sein Gegenüber und sich selbst auch anders, ohne Astrologie einschätzen können. Er muss wissen, wie weit ein Analogieschluss in diesem besonderen Fall trägt, dass er meistens nur eine Möglichkeit ist. Hier müssen wir auch einen kritischen Blick auf manche gängige psychologisch-astrologische Behauptung und ihre Verbreitung in Astrologiekursen und -büchern werfen. Zu schnell entsteht hier ein Deutungswildwuchs, der letztlich jede Behauptung zulässt, oder andererseits eine gläubige Deutungsgemeinde, die sich um ihren Chefideologen schart, der dann vielleicht noch unbewusst gerade jene Schwierigkeiten hat, die er seiner Gemeinde zu lösen versucht. So erklärt sich die Dogmatik, welche oft in esoterischen Gruppen zu finden ist. Von Bedeutung bei der Verbreitung der Astrologie ist auch, dass sich vielfach eher ungebildetere Menschen dafür interessieren. Dieser positiven Unverbildetheit auf der einen Seite entspricht andererseits eine geringere Möglichkeit des Wissensvergleichs, was verunsichert und dann entweder wieder in Leichtgläubigkeit oder Dogmatismus und Größenwahn mündet. Auch seelische Motive, sich mit Astrologie zu beschäftigen, die zu sehr aus einem Bedürfnis nach Reglementierung anderer, oder nach reglementiert werden entspringen, verstellen den objektiven Blick. Oder wenn man die Astrologie wegen ihrer geheimnisvollen Unverständlichkeit schätzt, die man im nüchternen Berufsalltag so entbehren muss, mit seiner Originalität angeben will, in den Angelegenheiten anderer Leute herumschnüffeln, sich für eigenes zu-kurz gekommen sein im Leben entschädigen möchte; alles das sind nicht gerade der astrologischen Objektivität sehr dienliche Voraussetzungen. Sie erzeugen meist nur gefährliches Halbwissen.
Am meisten fällt mir das immer wieder im Zusammenhang mit der so genannten "Projektion" auf. Damit ist gemeint, dass eigene innere Vorstellungen auf Äußeres und andere übertragen werden, eigentlich auch, dass ich mich im anderen spiegelnd erkennen kann, im negativsten Fall, dass ich bei anderen Schlechtes vermute, das ich selbst in mir trage. Unterdrückte Antriebe nehmen dann die Gestalt von Teufeln und Hexen an. Es kann darunter auch verstanden werden, dass eigene Vorstellungen nicht aktiv gelebt, sondern passiv am anderen erlebt werden. Das heißt zum Beispiel, der eigene unterdrückte Zorn wird so erlebt, dass mich ein anderer aggressiv angreift. Die unterdrückte Untreue wird am Seitensprung des anderen erlebt. Nun ist daraus häufig ein beliebtes Spiel geworden, sich gegenseitig diese Projektionen vorzuwerfen und damit jede Auseinandersetzung an sich abzuwehren. Ein Beispiel wäre, wenn jemand irgendwelches Verhalten an anderen kritisiert, diese ihm aber vorwerfen: "Das ist ja dein Ding, geht uns nichts an". Diese Haltung vergisst ganz, dass die Welt an sich eine Projektion, Vorstellung ist - ganz im Sinne des indischen "Maya"-Begriffs -, die gegenseitige Projektion aber eben die menschliche Auseinandersetzungsmöglichkeit selbst ist. Projektionsaustausch, -vertausch ist Kommunikation an sich, ist Entfaltung des Weltgeschehens in das hinein, was wir materielle Wirklichkeit nennen - und insofern müssen wir uns mit unseren gegenseitigen Projektionen sehr wohl auseinandersetzen und uns besonders auch fragen, warum wurde gerade ich für diese Projektion von meinem Mitmenschen ausgesucht. Auch der astrologische Lehrer hat seine Vorstellungen, also Projektionen. Nur der Heilige ist theoretisch fähig, sich der Projektion zu entziehen, indem er sich der Welt entzieht. Jeder der handelt, verwirklicht an und mit anderen zusammen Projektionen. Der therapeutische Ansatz ist nur dort berechtigt, wo der Mensch unter bestimmten Vorstellungen leidet, sei es, dass er eine Vorstellung zu wenig, zu passiv, unbefriedigend oder sozial schädlich lebt oder erlebt. Das alles aber hängt wiederum sehr von gesellschaftlichen Vorstellungen, also Projektionen im Gesamten, ab. Anders wäre zum Beispiel ein Hitler nicht vorstellbar. Die Astrologie zeigt so nur Struktur und Wandel dieses Vorstellungsgefüges, den Platz des einzelnen darin.
Nun möchte ich noch ganz konkret aus meiner astrologischen Praxis verschiedenes anführen. Häufig kommen Leute eigentlich wegen psychischer Probleme zum Astrologen. Sie scheinen das eher zu akzeptieren als den Gang zum Psychiater, Psychologen oder Therapeuten, der sie als krank erscheinen lässt. Beim psychologisch orientierten Astrologen kommen sie sozusagen vom Regen in die Traufe, und zeigen dann manchmal wenig Bereitschaft, mehr über sich erfahren zu wollen. Auf diese weise bekommt man es natürlich eher mit unbewältigten Umsetzungen bestimmter Charaktertendenzen zu tun. Leute, die mit sich klarkommen und vielleicht die gleichen oder ähnlichen Anlagen haben, erscheinen ja nicht in der Praxis. So entstehen leicht falsche Verallgemeinerungen über bestimmte Konstellationen, weil vorwiegend negatives Erfahrungsmaterial vorliegt. Ganz allgemein kommen ja Leute sowieso wie zum Arzt auch zum Astrologen nur, wenn es ihnen schlecht geht. Am besten kam ich noch immer mit Leuten zurecht, die bereits in irgendeiner Form eine Psychoanalyse durchgemacht oder - wie häufiger - abgebrochen hatten. Aber auch junge Menschen zeigen oft ein starkes Interesse an esoterischen Hintergründen und finden dann relativ leicht Zugang zur Deutung. Ihr Motiv entspringt meist unbewusst einem religiösen Bedürfnis, das von den traditionellen Religionen nicht mehr befriedigt wird. "Religio" bedeutet ja Rückbezug, also Bezogenheit auf den Ursprung. Häufig fehlt allerdings die Ausdauer, wirklich tiefer einzudringen. Das ist aber in gewisser weise eben auch an das Alter gebunden; nicht umsonst lautete früher die esoterische Regel, dass der Mensch sich nicht vor dem 40. Lebensjahr mit diesen Gebieten beschäftigen sollte. Denn erst circa ab der Lebensmitte ist die Ruhe und Bereitschaft zur Einkehr nach innen gegeben.
Bei Prognosen, die sowieso nur in Form von Tendenzen mitgeteilt werden und anzeigen, wann Probleme ins Bewusstsein kommen können und zur Lösung drängen, erweist sich immer wieder, dass viele nicht bereit sind, über die tatsächlichen Ereignisse und Gefühle Buch zu führen und eine solche Überprüfung dem Astrologen zukommen zu lassen. Das Führen eines Tagebuches ist fast unerlässlich, weil man viele Sachen sehr schnell vergisst und auch verdrängt. So kommt der Astrologe über mangelnde Rückmeldung schwer zur Kontrolle seiner Arbeit, das heißt die Forschung ist erschwert, und Verbesserungen, Korrekturen der Methode schreiten nur langsam voran. Und gerade die Prognose ist ein sehr wertvolles Forschungs-Instrument, weil sie Eigenschaften, seelisches gestimmt sein zeitlich eingrenzt, also direkter überprüfbar macht. Dass Leute sich immer wieder eine Prognose machen lassen oder behaupten, dass manche Tendenzen überhaupt nicht aufgetreten seien, kann nicht unbesehen als Bestätigung oder Irrtum der Astrologie angelastet werden. Verdrängung oder das Bedürfnis nach Lebensanleitungen können die tatsächliche Wahrnehmung verzerren, was im Einzelfall nicht so leicht feststellbar ist, da man die meisten Leute ja nur sehr selten bis gar nie wieder sieht, die Bereitschaft zu einer regelmäßigen Analyse, wie sie von Psychoanalytikern durchgeführt wird , selten ist, die Kosten nicht von einer Kasse ersetzt werden. Die besten Kontrollmethoden hat da eben der Psychologe, der gleichzeitig auch ein guter Astrologe ist - eine heute noch sehr seltene Erscheinung.
Zuletzt nun noch einige konkretere Brücken zur Naturwissenschaft. Ganz allgemein ist der Analogieschluss oder Analogismus, der von einzelnen Übereinstimmungen zwischen Dingen auf ihre Ähnlichkeit in anderen schließt, wissenschaftlich nicht zwingend, wird von der Naturwissenschaft sogar abgelehnt. Es kommen aber solche paradoxen Situationen vor, dass ein Biologe wie Konrad Lorenz anlässlich der Verleihung seines Nobelpreises für Medizin 1973 für die Bedeutung der Analogie eintritt, 1975 aber mit 186 führenden Wissenschaftlern, darunter 18 Nobelpreisträgern, ein Manifest gegen die Astrologie unterschreibt. So etwas kann natürlich nur passieren, wenn man sich mit einer Sache überhaupt nicht beschäftigt hat.
Unter den Naturwissenschaften ist es besonders die Chronobiologie, welche biologische Rhythmen untersucht und damit den astrologischen Prognosen nahe kommt, wenn auch diese sehr junge Wissenschaft sich strikt gegen eine solche Verwandtschaft wehrt. Auf jeden Fall konnten verschiedenste Rhythmen bei Lebewesen festgestellt werden, die sich mit kosmischen Phänomenen als Taktgebern in Verbindung bringen lassen. Da biologische Phänomene und seelische Erscheinungen ja aufs engste gekoppelt sind, lässt sich von dieser Seite her in Zukunft einiges an bestätigenden Erkenntnissen für die Astrologie erhoffen. In der Astrologie selbst gibt es ja bereits Tendenzen, vorn Esoterischen mehr ins Biologisch-Naturwissenschaftliche zu kommen, indem s ich manche Schulen kosmobiologisch nennen. Solche Forschungsergebnisse hat zum Beispiel Dr. Karl Birzel von der Grazer Universität 1984 in seinem Buch "Die Sonne unser Schicksal" veröffentlicht. Auch interdisziplinäre Wissenschaften wie die Synergetik, die Lehre vom Zusammenwirken, oder die bekanntere Kybernetik, die Lehre von der Steuerung und Regelung komplexer Systeme, weisen auf eine kosmobiologische Sicht der Welt.
So ist es nicht verwunderlich, dass der englische Biologe Rupert Sheldrake in seiner Theorie der morphogenetischen Felder eine Art moderne Wiederbelebung der Platonischen Ideen schuf und erneut, wenn auch in abgewandelter Form, auf diesen der Welt zugrunde liegenden Logos stößt. Wir müssen also gar nicht die New-Age-Bewegung als Beweisführung eines neu erwachten kosmischen Denkens bemühen. Wobei übrigens am Rande bemerkt Fritjof Capra, ein Wortführer dieser Bewegung, in keinem seiner Bücher jemals die Astrologie erwähnt hat. In der New-Age-Bewegung begegnet uns nur die Gemüts- und Gefühlsseite eines neuen intellektuellen Bedürfnisses nach mehr Ganzheit. Das äußert sich auch in der Wiederentdeckung des Ritus, im Sinne rhythmischer Handlungen, wie zum Beispiel im Tanz. Damit wird ein Bedürfnis nach Wiedereingliederung in Urrhythmen ausgedrückt, nachdem sich der Mensch zu sehr verselbständigt hat, aus dem Takt zum Ganzen gekommen ist. Das war auch die ursprüngliche magische Bedeutung ritueller Handlungen, dass der Mensch aus der Rückkoppelung zum Ganzen wieder neue Kraft zu schöpfen vermag, sich nach dem Abfall vom Ganzen mit ihm wieder aussöhnt. Diese "religio" oder Rückbindung ist die eigentliche Bedeutung des religiösen Kultes. Sie ist uns in den letzten Jahrhunderten nur immer mehr entfallen, im selben Maße, wie der Mensch sich von der Natur unabhängig zu machen hoffte.
Eines der interessantesten Phänomene, welches die astrologische Grundannahme der "Analogia entis" oder Seinsentsprechung "wie oben so unten" bestätigt, ist die so genannte Holographie. Wie oben so unten bedeutet eigentlich, dass die Welt des Kleinen und die Welt des Großen sich entsprechen, einander spiegeln, was ja im Grunde genommen schon durch die Teilchenphysik bestätigt wird, indem der atomare Aufbau eine Ähnlichkeit mit dem planetaren, kosmischen Aufbau zeigt. Das Phänomen eines Hologramms macht das aber noch wesentlich deutlicher, denn es zeigt, dass im Einzelteil immer das Ganze gleichzeitig enthalten ist. Sehr vereinfacht ausgedrückt, ist ein Hologramm eine Photographie, welche mit einem Laserstrahl erzeugt wird, und das Phänomen dabei ist, dass das Negativ fast vollkommen zerstört werden kann, trotzdem aber ist aus einem übrig gebliebenen Teilchen wieder das ganze Bild projizierbar. Das heißt eben, dass das Ganze im Teil enthalten ist. So sagt ja auch die Astrologie, dass der Mensch als Einzelteilchen sein Spiegelbild im Kosmos hat - in der Sprache der Kabbala ist dieses Spiegelbild der Urmensch Adam Kuthnor. So spiegeln Mikro- und Makrokosmos einander, sind einander Abbild.
Vielleicht habe ich nun manchen von Ihnen in seiner misstrauischen Haltung gerade gegenüber der astrologischen Praxis bestärkt, manchen Neugierigen verschreckt. Eine astrologische Analyse kann aber durchaus sinnvoll sein, wenn man nicht zuviel verlangt, sich auf das Erkennen einer moralfreien seelischen Grundstruktur in ihrem rhythmischen Werden beschränkt. Als einfache Arbeitshypothese im Umgang mit der Astrologie kann man die Dreiteilung des Menschen in Geist, Seele und Körper anwenden, wobei die Astrologie sich auf unsere seelischen Antriebe und Neigungen bezieht. Körperliches unterliegt den Naturgesetzen, unserer Umwelt. Geistiges liegt außerhalb von Seele und Körper, untersteht am ehesten dem freien Willen. Natürlich stellt der Mensch eine komplexe Vereinigung dieser drei Bereiche dar, und diese Trennung ist eine ziemlich theoretische. Was ich im Zusammenhang mit der Astrologie möchte ist, ein gesundes Misstrauen in Verbindung mit einer offenen, forschenden Haltung zu fördern. Als ich vor zwölf Jahren mit der Astrologie begann, stand ich einer ziemlich ablehnenden, übermisstrauischen und nur rational orientierten Öffentlichkeit gegenüber. Das betraf auch viele meines Bekanntenkreises. Inzwischen hat sich die Situation ziemlich verändert. Überall sprießen die Schamanenworkshops, und die spirituellen Heiler sind am Werk, und ich bin erstaunt über die kritiklose Vermarktung einer Bewusstseinsveränderung, die jetzt wie der Gegenschlag eines Pendels eingesetzt hat. Da wird das Wissen bedenkenlos nach dem Motto vermittelt: "Zwei Workshops nehmen, den dritten selber geben", und bei Zertifikaten von Astrologieschulen muss man sich darüber klar sein, dass diese Privatschulen ja von ihren Schülern leben müssen, also keine strenge Auswahl vornehmen dürfen. Die Vermengung von Lehre und Geschäft gereicht der Lehre meist nicht zur Ehre.
Dabei möchte ich nicht missverstanden werden: spirituelles Heilen und schamanistische Vorstellungen halte ich für durchaus wirksam. Trotzdem sollte man gerade Bereichen, die sich der konkreten Erfahrung unserer Kultur in den letzten Jahrhunderten immer mehr entzogen haben, insofern kritisch gegenüberstehen, indem man sich die Mühe des Erlernens und Unterscheidens macht und nicht blindlings nun gegenteilige Ansichten als früher vertritt, was nur eine moderne Variante von Aberglaube wäre. Der Astrologie bekam eine breite Popularisierung noch nie besonders gut, ihren letzten großen Abrutsch erlitt sie, als die ersten Ephemeriden (Gestirnstandstabellen) im 17. Jahrhundert gedruckt wurden. Schlagartig verbreitete sich in Europa die Wahrsagerei mit den "Sternen" für jeden, der diese Tabellen lesen konnte, ohne dass meist die nötige geistige Disziplin und Kontrolle vorhanden war, wie man sie unter anderem auch dadurch lernt, dass man sich mit den Naturwissenschaften beschäftigt. Schlagartige Erleichterungen und Verbreitungen sind nicht immer das beste Mittel, den wirklichen geistigen Inhalt zu erkennen und zu vermitteln. Öffentliche Anerkennung und damit verbundene Geldmittel für eine vermehrte Forschung, wie sie zum Beispiel auf einer Hochschule gegeben wäre, fehlen. Das letzte Astrologieinstitut an einer Universität bestand 1821 in Erlangen. Heute dient der Institutsname im Zusammenhang mit der Astrologie fast immer nur einer besseren Vermarktung und beinhaltet dann weder Forschung noch Kontrolle der Aussagen. Ich hoffe, dass der Computer, der einen weiteren Schritt in der allgemeinen Zugänglichkeit des astrologischen Wissens ermöglicht, der Astrologie nicht wieder zum Verhängnis wird. Die Computergläubigkeit auf der einen Seite und die Bereitschaft zur Irrationalität auf der anderen sind nicht der beste Nährboden für ein langsames und sicheres neues Wachsen und Verstehen dieses uns überlieferten "geheimen Wissens".
Die Höhle mit ihrem Schatz am Wegesrand steht offen. Nehmen wir davon ein kleines Goldkorn, bedeutet es Heil und Glanz auf dem Weg unserer Erkenntnis. Plündern wir aber den Schatz, so wird er uns zu Steinen, der Weg zum Stolperpfad.
im Juni 1987( u. Sept. 2004)
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